Appell - 16.05.2018
Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Es ist noch immer viel zu schwierig in Mehrfamilienhäusern eine E-Ladestelle zu installieren.
In Wohnkomplexen muss der Zugang zu Ladestationen deutlich erleichtert werden. Foto: pxHere

Das Match entscheidet sich im Gemeindebau. Simmering gegen Stadlau, das ist Brutalität. In großen Gebäuden, egal ob frei finanziert, von Genossenschaften gebaut oder von der Gemeinde errichtet, trifft der Wunsch, mit der Zeit zu gehen, auf große Hürden. Denn der Gesetzgeber versäumt es nach wie vor, hier Erleichterungen zu schaffen:

Wenn jemand auf dem Parkplatz vor dem Haus oder in der Garage eine Lademöglichkeit einrichten möchte, so fängt ein bürokratischer Hürdenlauf zwischen Wohnbauträger, Bürgermeister oder Bezirksamt, Elektroversorgern und Hausgemeinschaft an. Betroffene Gesetze und Normen kommen derzeit laut einer bmvit-Studie im Mietrechtsgesetz, dem Wohnungseigentumsgesetz, dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz und anderen Normen vor. Dazu kommen Bestimmungen für die elektrische Ausgestaltung derartiger Lademöglichkeiten sowie Abrechnungs-Fragen.

Wie ein E-Herd
Doch was ist denn da so schwierig? Es ist ja nur eine korrekt abgesicherte Steckdose, die da installiert werden muss. Und wenn sich mehrere Parteien die Steckdose teilen, dann eben noch mit einem Zähler dazu. Da es Langsamlader sind, braucht keiner einen neuen Trafo, das Auto zapft so viel wie ein Elektroherd. Es ist nicht mehr Technik notwendig.

Dennoch wird eine Leserin von e:mobil von Pontius zu Pilatus geschickt, die Bürgermeister und Wohnbaugenossenschaft heißen. Weil sie in einem niederösterreichischen Ort in ihrem Mehrparteien-Haus gerne eine Steckdose hätte – die wäre die Bedingung, um ein E-Auto zu bestellen. Gewesen. Die Dame hat sich nun leider doch für einen Diesel entschieden, weil es unmöglich war, einen Parkplatz mit Ladestelle zu bekommen.

Sie ist kein Einzelfall. Tausende MitbürgerInnen würden gerne umsteigen, aber mangels Hausladestelle warten sie ab.

Mehrkosten vermeiden
Daher mein Appel an die Politik, und zwar auf allen Ebenen: So schnell wie möglich Nägel mit Köpfen machen und im Neubau verpflichtende Lehrverrohrungen und Lademöglichkeiten für ALLE Parteien vorsehen. Kein Haus darf mehr gebaut werden ohne komplette Umstellungsmöglichkeit.

Und für den Bestand sind die Damen und Herren der Gesetzgebung aufgerufen, den Bürokratismus zu zerschlagen und ein Recht der Parteien auf Ladestationen zu etablieren. Alles andere ist Zeitverschwendung und führt nur zu höheren Kosten – für die Nachrüstung in wenigen Jahren und für immer mehr Gesundheits- und Umweltschäden, wenn die Elektromobilität noch länger gehemmt wird.

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

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