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Mundpropaganda - 11.04.2018
Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Die beste Art, auf die Regierung einzuwirken, ist die Mundpropaganda: Sagen Sie Ihren Bekannten, wie gut es Ihnen mit Passivhaus, Solarenergie und E-Auto geht! Ermuntern Sie zur Nachahmung – dann werden Politik und Industrie handeln.

Andere Menschen für erneuerbare Energien zu begeistern funktioniert am besten über Mundpropaganda. Aber bitte ohne Fingerzeig. Foto: pexels

Derzeit erleben wir gerade eine smarte, österreichische Regierung, die mit smarten Videos ihre smarten Botschaften verbreitet. So zum Beispiel bei der Aufforderung zum Mitmachen, wenn es um Ideen für den Klimawandel geht. Jeder kann den MinisterInnen posten, was man unter dem Herzen trägt, wenn es um unsere Zukunft geht.

Die Neuen auf der Regierungsbank haben verstanden, dass man besser #mission2030 sagt, satt „Umweltprogramm“ oder „Klimastrategie“, das ist smarter, moderner und socialmedia-verträglicher. Abgesehen davon, dass diese Videos so süsslich-triefend werblich daherkommen, dass es einem die Schuhe auszieht, ist nichts dagegen einzuwenden, dass sich die Regierung von der Bevölkerung Tipps zur Klimastrategie geben lässt, denn – „wir brauchen einen Plan!“ (Video-Ton).
Also Leute, kräftig mailen wir haben noch drei Wochen Zeit.

Beim Reden kommen die Leut' zamm
Mag sein, dass plötzlich alles anders wird, und die Vorschläge diesmal umgesetzt werden. Zwar liegen die Hinweise, wie man die dringend notwendigen Ziele erreichen könnte, längst vor, Pellets-Lobby und Windkraft-IG, PV-Austria und Dutzende andere Verbände haben Lösungen aufgezeigt, aber sei es drum: Schreiben wir es nochmal ins Köstinger-Hofer-Stammbuch.
Bitte sagen Sie das allen Bekannten und Verwandten!
Doch nicht beim Schreiben kommen die Leut' zusammen, sondern beim Reden. Noch viel besser als ellenlange Postings an anonyme MinisterialbeamtInnen ist es, seinen Bekannten und FreundInnen zu vermitteln, wie gut es einem geht: Mit den Photovoltaik-Modulen am Carport, mit der Solarthermie am Hausdach, mit der Ersparnis bei der Stromrechnung oder meinetwegen beim Gasverbrauch im Niedrigenergie-Haus. Ganz zu schweigen vom enorm beschwingenden Gefühl, das einen trägt, wenn man den Strom vom Dach in die Hausbatterie förmlich fließen sieht. Du stehst da und denkst dir: Die Ölscheichs können mir gestohlen bleiben, hier wärmt die Sonne Herzen und Fitnessraum (weil dort Infrarot-Panele montiert wurden).

Und der Gipfel des Vergnügens: Lustig leise mit dem E-Mobil durchs Land zu cruisen…

Bitte sagen Sie das allen Bekannten und Verwandten!
Denn je mehr die „Basis“, je mehr Leute nach diesen Dingen fragen, beim Installateur, beim Elektriker, beim Autohändler oder beim E-Werk, umso schneller dreht sich der Wind. Der Konsument ist nämlich noch immer der King, die Zahlerin die Queen of Kommerz. Aber bitte keine oberlehrerhafte Klimadiskussion mit Ihren FreundInnen beginnen! Vermitteln sie einfach, wie gut es Ihnen damit geht. Pfeifen Sie ein Liedchen, lächeln Sie verschmitzt, aber belehren Sie niemanden! Sie werden sehen, es wirkt ansteckend. Denn wer will nicht komfortabler wohnen, billiger und moderner?

Haben Sie gewusst, dass sich über 50 % der KäuferInnen eines Fertighauses für ein Smart Home-Modell entscheiden (zumindest bei großen deutschen Herstellern)? Es ist der Spaß und der Komfort, die Lebensfreude, die zum Kauf animieren (wenn man bei der Gelegenheit gleich noch die Welt rettet, so ist es auch recht).

Klar produzieren die Daimlers lieber SUVs um 70.000 € bei denen mindestens 10.000 als Gewinn bleiben, wenn sie die – noch – verkaufen können. Doch der Druck steigt, die Nachfrage nach Elektromobilität ist enorm, und sie wird immer größer.

Die Wende kommt von unten, oder sie kommt gar nicht – bitte weitersagen!

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

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