Nachwuchs - 05.03.2018
Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Viel besser, als sture Alte bekehren zu wollen, ist es, jungen Menschen einen Sitzplatz in der Elektromobilität zu verschaffen.
Junge Menschen sind die Zielgruppe, die Elektromobilität in Zukunft weiterbringen kann. Foto: Starmühler

Viele von uns machen einen verständlichen Fehler: Sie versuchen, angesichts zunehmender Starkwetter-Ereignisse, Dürren und Hochwässer, die SkeptikerInnen der Energiewende zu überzeugen. Mit Zahlen, Tabellen, Argumenten sonder Zahl. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Denn die Hartgesottenen wollen sich ja gerade nicht überzeugen lassen. Wer immer schon ein Faible für Vergaser, Einspritzdüsen und Turbolader hatte, mag nicht davon lassen. Wer von Inseraten der (alten) Auto-Industrie jahrzehntelang lebte, will derselben ungern zurufen, dass sie sich auf dem Holzweg befände. Und wer als MotorjournalistIn sein Ego im Testen von brüllenden Pferdestärken an der Côte d’Azur bestätigt fand, alles bezahlt von der Marketingabteilung des Konzerns, der auch das zu prüfende Fahrzeug stellte, der mag nicht umschwenken auf Kilowattstunden.
Lassen wir sie im Irrtum ergrauen!
Widmen wir uns den anderen: Kürzlich hatte ich das Vergnügen, zwei Burschen samt deren Mama von Graz nach Wien elektrisch chauffieren zu dürfen. Das war sehr nett. Sie freuten sich über das Auto, die Beschleunigung, die ganzen Umstände, die Vorteile und und und … Alle drei. 22 Jahre, 28 und das dritte bleibt unser Geheimnis. Viel wichtiger als die mühselige und praktisch ergebnislose Überzeugungsarbeit an alten Damen und Herren, die zu viele Argumente DAGEGEN haben, ist es, diejenigen anzusprechen, die DAFÜR sind, oder leicht sein könnten. Frauen und Männer mit dem Strahlen der Jugend in den Augen. Und solche, die in den besten Jahren sind und sich ihre juvenile Aufgeschlossenheit bewahren konnten. Sie, unverbildet und aufgeschlossen, seien unsere Zielgruppe. Suchen wir sie auf: In Schulen, Whatsapp-Gruppen, Sportvereinen, Fahrschulen. Lassen wir sie die Pioniere sein, die dann automatisch als Botschafter der Elektromobilität fungieren.
Das ist der größere Hebel, als sich mit den kleinmütigen Ewiggestrigen zu quälen. Dieses Problem löst sich von selbst: Schon jetzt ist absehbar, dass man sehr zeitnah die KollegInnen mit den alten Ansichten in Pension schickt. Während sie noch die Mobilitätswende in Abrede stellen, werden sie von ihr überrollt. Adios!

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#2 max pfefferle 2018-03-09 16:32
nicht nur mutig sondern auch sehr vorlaut. als "Alter" fühle ich mich von diesem Schw....sinn eher diskriminiert als angeregt mich nach einem umweltunfreundl ichen E-Auto zu interessieren und da kann der Stahrmühler schreiben was er will (wie hoch ist seine Auflage ???) es will keiner hören. Punkt.
#1 Gerhard Zwickl 2018-03-08 16:32
Mutig, mutig, Herbert. Du musst aber bedenken: Das nötige Geld für E-Autos haben die Älteren. Die Jüngeren würden gerne auf die neuesten Technologien aufspringen, da müssen wir sie nicht lange überzeugen, aber sie fahren notgedrungen mit den Billig-Verbrenn ern. Ein heute 25-jähriger ist auch schon mit Erdöl gewaschen. Bei dem müssten wir noch 50 Jahre warten nach Deinem System. Eine Lösung wäre vielleicht ein spezieller E-Auto-Kredit für junge Leute mit kleinen Raten, die sie z.T. aus der Spritersparnis finanzieren können. Also: Junge überzeugen, Alte überzeugen, Banken und Politik überzeugen. Vorzeigen.

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