Das Angebot wirkt: Kein Stress mit vielleicht zu hohen Strompreisen, keine Angst vor kalten Wohnungen, keine laufenden und lästigen Mieterhöhungen.
Die Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH (AGW) ist eines der größten Wohnungsunternehmen im Salzlandkreis. Aschersleben liegt in einer gedachten Linie zwischen Hannover und Leipzig ungefähr in der Mitte. Eine ganze Weile war Aschersleben eine Abwanderungsgemeinde. Das hat sich geändert: Junge Menschen kommen doch wieder in die Stadt. Unter anderem ist das Mike Eley zu verdanken.
Er ist Geschäftsführer der AGW und ziemlich hartnäckig. Sonst hätte er die Idee in seinem Beirat nicht durchgebracht, die er so um 2019 hatte: Machen wir einen unserer Plattenbauten aus den 70er-Jahren zum Vorzeige-Sanierungsprojekt.

In Aschersleben wird ein visionäres Projekt umgesetzt: Aus alten DDR-Plattenbauten entstehen hochgradig energieautarke Mehrfamilienhäuser. Timo Leukefeld
Große PV-Anlage, auch auf der Fassade
Über 180 kWp-Solarmodule aufs Dach und an den Wänden erzeugen viel Strom, eine stromsparende, gut regelbare Heizung fand man beim österreichischen Infrarot-Spezialisten easyTherm, dazu Autarkie-Boiler und Dämmfassade – statt Abriss ein bereits mit Preisen ausgestattetes Vorzeigemodell. Junge BewohnerInnen kommen wieder in die Stadt
Wir sprachen mit Mike Eley und mit dem Heizungsbauer Günther Hraby (easyTherm) im Interview über dieses Projekt, dass nun gerade in einem dritten Block weiter entwickelt worden ist. In den kommenden Wochen werden die MieterInnen einziehen.
Günther Hraby (GF easyTherm, obere Reihe links), Herbert Starmühler (energie-bau.com, oben rechts) und Mike Eley (GF AFW Aschersleben) im Gespräch über die Erfahrungen mit dem sanierten Plattenbau.
Einige Themen aus dem Video:
Wie kam es zum mutigen Entschluss, einen Plattenbau in der Kopernikusstraße in Aschersleben nicht abzureißen, sondern in ein energieautarkes Mehrfamilienhaus mit Pauschalmiete und Energieflatrate umzuwandeln?
Mike Eley (AGW): Der Plattenbau war trotz fehlender Dämmung vielerorts in einem überraschend guten Zustand – zum Abreißen viel zu schade. Wir wollten zeigen: Bestehenden Wohnraum nachhaltiger gestalten statt ersetzen. Mit Umdenken und Innovation haben wir ein bundesweit einmaliges Projekt gestartet.
Ihre Strategie kombiniert Photovoltaik, Autarkie-Boiler, easyTherm Infrarotheizung und einfache Technik im Sinne des Low-Tech-Ansatzes. Warum bewusst so – gerade statt komplexer Systeme wie Wärmepumpen?
Mike Eley: Der Low-Tech-Ansatz senkt Investitions- und Instandhaltungskosten erheblich. Infrarotheizungen sind wartungsarm, und durch einfache Technik – etwa Zeitschaltuhren für Boiler – wird Energie effizient genutzt. Wärmepumpen hätten durch ihre Komplexität und graue Energie das Konzept stören können."
energie-bau.at: Herr Hraby, easyTherm liefert die Infrarotheiztechnik in diesem Projekt. Was macht diese Technologie so passend für ein hochgradig energieautarkes, nachhaltiges Wohnkonzept?
Günther Hraby (easyTherm): Infrarotheizungen erwärmen nicht die Luft, sondern die Raumstruktur – Wände, Boden, Möbel. Das speichert Wärme wie ein Kachelofen und gewährleistet behagliche Wärme bei geringer Wartung. Kombiniert mit Solarstrom ergibt das ein hocheffizientes, autarkes Heizsystem."
Herr Eley, wie funktioniert das Modell der Pauschalmiete mit Energieflatrate – und welche Vorteile haben Mieter, Wohnbaugesellschaften bzw. Vermieter?
Mike Eley: Wir bieten eine Miete von 11,50 €/m², inklusive Strom, Wärme, Haushaltsenergie und Carsharing-Laden. So entfällt für Mieter die Unsicherheit steigender Energiekosten – bei gleich hoher Zahlungsleistung wie vorher. Für die AGW bedeutet: laufende Effizienz bleibt im Interesse des Vermieters – Win-win für beide Seiten."
Herr Hraby, welche Rolle spielt die Kombination aus PV-Strom, Batteriespeicher und easyTherm Infrarotheizung für die hochgradige Energie-Autarkie im Quartier in Aschersleben?
Günther Hraby: PV liefert den Strom für Heizung, Haushalt und Ladeinfrastruktur. Infrarotheizung wandelt den Solartstrom effizient in Wärme um, Speicher (auch thermisch via Gebäudemasse, Batterien und Boiler) sichern Autarkie-Grade von über 60 %. Das macht das System robust und resilient." Quelle: VDIV, BBU.de, Die Wohnungswirtschaft Deutschland
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