Alpenland und ORTE Niederösterreich luden in die ehemalige Synagoge in St. Pölten, um Wohnformen der Zukunft zu diskutieren.

Obmann Steiner (Alpenland) gibt Moderator Reinhard Seiß beim Wohnbaudialog Auskunft.

Niederösterreichs Wohnbaulandesrat Martin Eichtinger sagte in seiner Einleitung: „Einerseits sehen wir einen Trend zur Single-Wohnung. Und doch gibt es auch den Wunsch zur Gemeinsamkeit, der sich im Wohnbau abzeichnet. Wie soll also das Wohnen in der nächsten Zukunft aussehen?" Vermehrt würde in Niederösterreich das Zusammenleben im Mehrgenerationenhaus zu beobachten sein.

Die Wohnbaugesellschaft Alpenland und der Architekturverein ORTE Niederösterreich luden in die ehemalige Synagoge in St. Pölten, um Wohnformen der Zukunft zu diskutieren. Obmann Norbert Steiner  (Alpenland) wies auf die neuen, coronabedingten Aufgaben: Mitbestimmung, Partizipation und Gemeinschaftswohnen seien Themen, die nun in der Vordergrund treten. Der Kampf um „furchtbar steigende Grundstückskosten“ ließ zuvor viele soziale Aspekte in den Hintergrund treten.

Zu Viert auf 60 Quadratmetern
Im Block „Nachbarschaft und Soziales“ skizzierte Ricarda Pätzold, Berlin, Stadtplanerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Urbanistik, die Vorteile des gemeinschaftlichen Wohnens. Getriggert werde der zarte Trend von der neuen Wohnungsnot infolge explodierender Preise. Zu viert auf 60 Quadratmetern sei plötzlich wieder zu beobachten. Eine Umfrage in Potsdam zeigte kürzlich die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. 24 % sagen „Ja“ auf die Frage, ob er oder sie sich gemeinschaftliches Wohnen vorstellen könnte, 20 % sagen „eher ja“ zu gemeinschaftlichem Wohnen. Das Angebot liege aber in Potsdam nur bei einem Prozent .

Ein sehr großes Gemeinschafts-Projekt liegt in München im Prinz Eugen-Park. Hier wurden die Gemeinschaftsräume dezidiert geplant. Eine Genossenschaft wurde gegründet, demächst ist das Projekt zur Hälfte realisiert. Es soll Cafè, Mobilitätsstation, Consierge und andere Einrichtungen beherbergen. Pätzold: „Nicht alle müssen befreundet sein – die volle Emotionalität ist bei großen Projekten gar nicht möglich.“

Nicht alle brauchen ein Quartiersmanagement, aber eine Anlaufstelle sei schon von Nutzen. Die Gemeinschaftswohnprojekte haben vor allem die Schwierigkiet zu meistern, dass nach der Gründerphase neue und andere Interessen von neuen Nachbarn zu vereinbaren sei.

Katharina Kirsch Soriano da Silva Wien

Wiener Erfahrungen brachte Katharina Kirsch-Soriano da Silva ein (Foto), die bei der Caritas Gemeinschaftsprojekte managed. Sie ist Architektin und Leiterin der Stadtteilarbeit der Caritas Wien.

Grüßen, Smalltalk, Blumengiesen, Respekt und Toleranz sind vorteilhafte Elemente angenehmen Wohnens, die den Bewohner*innen der Oase 23 in Wien-Donaustadt auf Befragen eingefallen sind.

Gemeinsamkeiten, Beziehungen und Netzwerke seien die Basis um zufriedener zu wohnen und Vorteile aus Nachbarschaftshilfen oder Preisvorteile zu ernten.

Temeperatur in Stadt und Umland Sabine Wolf„Freiwillig daheim“ war ein Themenblock, der schon vor Corona konzipiert worden war, doch Sabine Wolf blieb in Zürich und war nicht freiwillig daheim.
Die Raumplanerin und Landschaftsarchitektin, Partnerin bei Thiesen & Wolf, Projektleiterin der „Plattform Genossenschaften“, konnte nicht zur Veranstaltung nach St. Pölten kommen, weil Covid-19 es sozusagen nicht zuließ.

Wolf skizzierte gleich zu Beginn, dass Wohnen zunehmend Hitze, Starkregen-Ereignissen und Gesundheits-Bedrohungen ausgesetzt ist.

Bis zu 10 Grad Unterschied in den verdichteten, asphaltierten Stadtzentren und dem Umland bestimmen das Leben. Unter anderem deshalb hielt Sabine Wolf ein Plädoyer für Altbäume.

Sie präsentierte das Züricher Projekt  Kalkbreite, ein großer, partizipativer Gemeinschaftsbau. Wolf: „Gemeinschaft entsteht immer durch gemeinsames Tun, wie Gartengestaltung oder Planung des Quartiers“. Neben anderen Vorteilen ist die geringe Fluktuation der Bewohner günstig in dieser Wohnform.

Mehr dazu hier.

(hst)

 

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