Geschlossene Fenster, Großraumbüros und kleine Schreibtische für alle – was gerade noch state of the art war, gerät ins Wanken.

Leichtes Spiel für Covid-19: Geht es den Großraumbüros an den Kragen? Foto: pexels

Man könnte sagen, das Einzige was an den aktuellen Bürodesigns übrigbleiben wird ist die Clean-Desk-Policy. Doch während bis vor kurzem damit gemeint war, dass Mitarbeiter*innen ihre Schreibtische sozusagen besenrein verlassen müssen, damit der oder die nächste dort ungestört weitermachen kann, so bedeutet das heute eher Desinfektion. Weg mit dem Virus mit allen Mitteln. Das können UV-C-Bestrahlungen sein, Sprays oder Flüssigkeiten, die dem SARS-CoV-2 den Garaus machen.

Das Virus stört jedenfalls empfindlich den aufwärts strebenden Trend zu immer größeren Büroräumen, die von immer mehr Menschen hintereinander genutzt werden können. Bank Austria, ÖAMTC, Michelin und viele andere haben gerade noch das Großraumbüro eingeweiht – dann kam Corona. Ist das das Ende des Großraumbüros?

energie-bau.com fragte bei Florian Rode nach, Partner des Wiener Architekturbüros HNP architects.

Ist das Großraum-Büro ein Auslaufmodell? Sind die Lüftungs- und Klimatisierungs-Gegebenheiten in Großraumbüros (mit tw. nicht öffnungsbaren Fenstern) für die Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zu gefährlich?
Florian Rode: „Das klassische Großraumbüro, so wie es sich viele vorstellen, gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr. Die moderne Büroplanung sieht einen durchdachten Multi-Space mit Rückzugsbereichen vor, mit einer Vielzahl an technischen Elementen und einer umfassenden technischen Ausstattung. Vor einem Wechsel von Präsenzkultur hin zum mobilen Arbeiten stehend ist die Gestaltung von Arbeitswelten von immer größerer Bedeutung. Aktuell sind vermehrt auch kleinere Mietflächen respektive flexibel gestaltbare größere gefragt, da Videokonferenzen ganz neue virtuelle Räume schaffen und oftmals klassische Meetings ersetzen.

Wie es sich jedoch in Zukunft – nach COVID-19 - weiterentwickeln wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Bis zu einer Änderung der aktuellen Situation sind Hygiene, Abstand, (transparente) Stellwände, papierloses Arbeiten und eine durchdachte Arbeitszeit-Aufteilung der Mitarbeiter unumgänglich! Das stellt die Verantwortlichen vor große Herausforderungen, die durch ein vielfältiges Raumangebot mit flexiblen Workspaces, Think Tanks und Brain Boxes optimal gelöst werden können.“

Wie soll man die Freiräume oder Co-Working-Spaces finanzieren? Und vor allem: Wer?
Florian Rode: „In größeren Wohnanlagen, speziell im geförderten Segment, sind bereits jetzt große Gemeinschaftsräume und sinnvoll nutzbare private/semiprivate Freiräume gefordert und umgesetzt. Diese wurden bis jetzt sporadisch für Feierlichkeiten und Zusammenkünfte der Bewohner genutzt. Während der Corona-Krise und dem Lockdown sind diese Räume zu „Co-Working-Bereiche“ umfunktioniert worden, in dem sich die Hausgemeinschaft oft eigenständig organisiert hat. Wenn dies noch digital durch ein „Raum-Management-Programm“ koordiniert werden würde könnte man diese Räumlichkeiten optimal nutzen.

(hst)

 

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