Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass rund 70 Prozent aller Bauprojekte zumindest einen Mangel aufweisen.
Bei nahezu achtzig Prozent aller untersuchten Wohnungsneuauprojekte musste in mehr als drei Gewerken nachgebessert werden. Foto: pixabay.com
476 Bauvorhaben des Jahres 2015, davon 196 Neubau- und 280 Renovierungsprojekte, hat Kreutzer Fischer & Partner Consulting einem Qualitätscheck unterzogen. Das ernüchternde Ergebnis: In praktisch allen Neubauprojekten (99 Prozent!) musste vor und/oder nach Bauabnahme in zumindest einem Gewerk ein Mangel behoben werden. Bei Renovierungsprojekten war bei mehr als zwei Drittel aller Bauvorhaben eine Nachbesserung notwendig, insgesamt wurde bei 70 Prozent aller untersuchten Bauprojekte zumindest ein Baumangel gefunden.

Verglichen mit einer Erhebung aus dem Jahr 2008, in der Bauprojekte aus 2007 bewertet wurden, ist der Anteil der Bauvorhaben mit Baumängeln sogar gewachsen. Lag der Anteil der Projekte mit zumindest einem Baumangel damals noch bei 65 Prozent, ist er aktuell um fünf Prozentpunkte gestiegen. „Von handwerklicher Ehre ist da nicht mehr viel übrig“, so Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Kreutzer Fischer & Partner.

Wien führt die Mängel-Statistik an: Während in der Bundeshauptstadt bei 83 Prozent aller Bauvorhaben Baumängel diagnostiziert wurden, waren es in Tirol und Vorarlberg „nur“ 62 Prozent. In Wien wurden 40 % aller Baumängel als schwer klassifiziert, im Westen 26 %. Die meisten Mängel wurden mit 47 % im Innenausbau identifiziert, dahinter liegen die Installateure mit 38 %, vor den Baumeistern mit 34 %.Als Gründe für die mangelnde Bauqualität werden etwa gesunkene Vorgabezeiten aufgrund des steigenden Preis- und Kostendrucks und fehlendes qualifiziertes Personal angeführt.

Die Bauwirtschaft argumentiere die hohe Quote an Baumängeln mit dem hohen Anteil handwerklicher Arbeit, heißt es von Seiten Kreutzer, Fischer & Partner. Dieses Argument sei jedoch nicht schlüssig, denn Handarbeit steht gewöhnlich als Synonym für höchste Qualität: „Wenn der vergleichsweise hohe Anteil an handwerklicher Arbeit die hohe Mängelquote erklärt, so ist dies ein Argument mehr, den Wohnbau so rasch als möglich auf industrielle Fertigung umzustellen“, so Andreas Kreutzer.

Kreutzer Fischer & Partner

Kommentare  

#3 Herbert Urbanich 2015-12-18 09:53
Man müsste sehr oft virtuelle Zeichen- und Konstruktionspr ogramme mit einem Check auf handwerkliche Ausführbarkeit versehen.
#2 arch2 2015-12-17 14:05
Es gibt kein mangelfreies Bauwerk.
#1 arch. 2015-12-17 12:39
nonaned!! bei den rahmenbedingung en ist nichts anderes zu erwarten gewesen - und das das handwerk durch die industrialisier ung leidet ist ein alter hut, daß durch unfairen wettbewerb (ost-west) das handwerk jetzt schon seit geraumer zeit den bauch hinuntergeht aufgelegt!

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