Der Ausstattungskatalog, den Wohnbau-Landesrat Haimbuchner für den sozialen Wohnbau in Oberösterreich hat erarbeiten lassen, legt Standardaustattungen fest, die künftig die Basis für die Zuteilung von Förderungsmitteln darstellen und damit die Kosten reduzieren sollen. Empfehlungen und Pflichtvorgaben gibt es etwa in den Bereichen Architektur, Gebäudehülle, Fenster, Lüftung, Außen- und Grünanlagen, Boden- und Wandbelege, Elektro- und Sanitärinstallation.
Sollte der zukünftige soziale Wohnbau nach diesen Vorgaben gebaut werden, könne nicht von einer Kostenreduktion für Mieter gesprochen werden, hingegen der Tenor auf der Pressekonferenz. Im Gegenteil bedeuteten die Vorgaben einen massiven Rückschritt der Baukultur, weswegen die Plattform „ die Zurücknahme der Kataloge und eine gemeinsame Diskussion für einen langfristig leistbaren sozialen Wohnbau in Oberösterreich“ fordert.
„In keiner Weise ist der Ausstattungskatalog geeignet, Kosten nachhaltig zu senken oder die Mieten leistbar zu halten. Deshalb fordern wir die Rücknahme der völlig ungeeigneten Ausstattungskataloge,“ so Günter Lang, Passivhaus Austria und Koordinator der Plattform, auf der Pressekonferenz. Der Katalog widerspreche der EU-Gebäuderichtlinie für Energieeffizienz und verpflichte zu einem doppelt hohen Primärenergiebedarf, als das Kostenoptimum im sozialen Wohnbau darstellt und bringe damit kurz- und langfristig nur eine Belastungswelle.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen führten langfristig betrachtet zu erheblichen Kostensteigerungen, kritisierte etwa auch Caritas-Präsident Michael Landau: laufende Betriebs- und Energiekosten, nachträgliche Eigeninvestitionen für Sonnenschutz durch Mieter, Kosten, die durch kürzere Lebensdauer der verwendeten Komponenten entstehen, Gesundheitskosten durch ungesundes Raumklima aufgrund von Schimmelbildung, Sozialkosten durch steigende Konflikte in den Wohnsiedlungen.
Architekt Heinz Plöderl, Vertreter der Sektion Architekten der Kammer der Architekten und Ingenieure für Oberösterreich, forderte, dass den steigenden Kosten Einhalt geboten werde und öffentliche Mittel nachhaltig eingesetzt würden. Christoph Weidinger vom afo architekturforum oberösterreich bekräftigte: „Es geht nicht um Symptombekämpfung. Wir dürfen uns nicht kaputtsparen, sondern müssen gemeinsam nach Lösungen suchen.“
Johann Gerstmann, Bundesverband Sonnenschutztechnik, hakte beim Thema Sonnenschutz ein, der laut Katalog nicht vorgesehen und von den Mietern selbst nachzurüsten ist: „Eine Kostenverschiebung vom Bauträger zum Nutzer kann so nicht hingenommen werden.“ Jochen Sattelberger vom Verband Komfortlüftungssysteme Austria wiederum forderte Vorgaben, die im Sinne der erforderlichen Lufthygiene und Gesamtkosten die beste Lösung für Errichter und Nutzer sind, sowie die Rücknahme der Einschränkung auf Einzelraumgeräte.
Der Vorstandsvorsitzender des Verbands für Bauwerksbegrünung, Gerold Steinbauer, vermißt intelligente Überlegungen rund um die Bauwerksbegrünung. Der Ausstattungskatalog verbiete diese sogar: „Es ist frustrierend, wenn man sich vorstellt, in welch lebensfeindlichen und überhitzten Betonburgen die zukünftigen Mieter wohnen werden.“
Johann Scheuringer, Plattform Fenster und Fensterfassaden, kritisierte, dass der Katalog keine Dreifach-Verglasung vorsieht, die im Winter die Kälteabstrahlung reduziert und im Sommer Sonnenschutz bietet, sondern eine importierte, günstige Zweifach-Verglasung. Die vorgesehenen Plastikstofffenster seien ein Rückschritt. Auch Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Institutes, betonte, dass mit den heute verfügbaren guten Fenstern mit Dreischeibenverglasung und optimiertem Rahmen das Vierfache der anfänglichen Differenzinvestition eingespart wird. Der Ausschluss dieser Lösungen im Katalog führe zu höheren Kosten für alle Beteiligten.
Warum keine Experten, sondern nur ein wirtschaftlicher Beirat dreier pensionierter Baumeister bei der Entwicklung des Kataloges zurate gezogen worden war, wurde von der Plattform heftig kritisiert. Ein Arbeitskreis, um gemeinsame Nenner der Wohnbauförderstelle und Planerz zu finden, sei wünschenswert. Im Mittelpunkt solle schließlich das Gesamtoptimum stehen, nicht „die Renditeerwartung von Investoren, die den notwendigen Zuschuss im sozialen Wohnbau liefern. Die Bindung an Qualität, eine geeignete Berechnungsmethode, ein zukunftsweisendes Finanzierungsmodell für energiesparende, aber komfortable Gebäude und ein schärferer Vollzug der Bauordnung sollen helfen.“
Plattform „Nachhaltig leistbarer sozialer Wohnbau in Oberösterreich“:



