Bei der zwölften Veranstaltung der Podiumsdiskussionsreihe der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten diskutierten Experten ein doppelt kontroverses Thema: Architekturwettbewerbe und Nachhaltigkeit.
Das Podium: Bruno Sandbichler, Günter Sokol, Georg Pendl, Moderator Peter Huemer, Franz Kittel, Georg W. Reinberg und Karl Friedl (v.l.). Foto: baik
Unklare Briefings, ausgebeutete Architekten, überforderte Juroren: Für die einen sind Architekturwettbewerbe alles andere als probate Mittel für mehr Nachhaltigkeit beim Planen und Bauen. Andere meinen: Nur sie sind Garanten für die beste Idee und Lösung und eine große Chance für junge Büros. Schnell spalteten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in zwei Fronten.

Georg W. Reinberg, Mitglied des Nachhaltigkeits-Ausschusses der bAIK, sprach vielen Architekten aus der Seele, als er darstellte: „Architekturwettbewerbe funktionieren nicht, schon gar nicht im Kontext der Nachhaltigkeit.“ Schon jetzt seien sie für Architekten wirtschaftlich schwer zu verkraften; kommen die gesteigerten Anforderungen durch Nachhaltigkeitsauflagen hinzu, würden sie schlicht unfinanzierbar. Das Dilemma: Die Wettbewerbsverfahren selbst seien nicht nachhaltig: „Energie und Arbeit werden weggeworfen.“

Dem konnte sich Bruno Sandbichler, Sprecher der IG Architektur, zum Teil anschließen. Er betonte, dass die Weichenstellungen für Nachhaltigkeit im Vorfeld gelegt würden, bei den Bauherren – durch den Standort, durchs Budget, durch die Art, wie Ziele definiert würden. Er nahm auch die Politik in die Pflicht: „Förderungen werden ohne Bindung an Qualitätskriterien vergeben. Und: Solange die Raumordnung über Gemeinderäte funktioniert, kann es ausreichen, den Bürgermeister zu kennen, um eine Umwidmung zu bekommen.“

Für Günther Sokol von der BIG sind Wettbewerbe nach wie vor „Garanten für die beste Idee und Lösung“. Und diese Lösung werde umso überzeugender, je genauer der Bauherr wisse, was er haben wolle – gerade beim nachhaltigen Bauen. Ein Wettbewerb, betonte Sokol, „ist kein Lieferauftrag. Es geht darum, einen Partner zu finden, mit dem man verhandeln kann.“

Was die Bauherrenverantwortung betrifft wurde er von Karl Friedl bestätigt, Geschäftsführer der M.O.O.CON: „Die erste Qualität ist tatsächlich die Bestellqualität. Ein zweiter wesentlicher Aspekt ist die Veränderung weg vom Architekturwettbewerb hin zum Generalplaner-
Wettbewerb. Gerade in Hinblick auf Nachhaltigkeit geht es um integrale Gesamtkonzepte.“

Fritz Kittel, Leiter der Immobilienabteilung der Wirtschaftsagentur Wien, warnte vor überfrachteten Briefings bei Wettbewerben: „Je mehr ökologische Ziele man da reinpackt, desto unrealistischer werden sie. Tatsächlich sollte es beim nachhaltigen Bauen darum gehen, einen Partner zu finden, mit dem man gemeinsam Ziele schärft und innovativ wird. Planungsverfahren sind lebendige Prozesse.“

Ein klares Bekenntnis für Architekturwettbewerbe kam vom bAIK-Präsidenten Georg Pendl. Sie seien ein qualitätsorientiertes ebenso wie ein projektorientiertes Vergabeverfahren. „Wettbewerbskultur gehört gepflegt. Dann sind Wettbewerbe ein Entree gerade für kleine und junge Büros.“ Aber: Architekturwettbewerbe seien keine eierlegenden Wollmilchsäue mahnte der Präsident. Der Auftraggeber müsse schon genau wissen, was er mit dem Wettbewerb erreichen will.

Allheilmittel Mehrstufigkeit?
Ein wiederkehrendes Thema, auch in der Diskussion mit dem Publikum, war der volkswirtschaftliche Schaden, der durch das „Arbeiten für den Mistkübel“ entstehe. Schließlich lohne sich der (durch Nachhaltigkeitsaspekte ohnehin steigende) Aufwand einer Wettbewerbsteilnahme nur für jeweils ein Büro. Allgemein favorisiert wurden zweistufige Verfahren, wobei Pendl gegen die Präqualifikation durch Referenzprojekte eintrat – auch das benachteilige die Jungen. Allgemein mehr Zeit für die Auseinandersetzung mit Wettbewerbsbeiträgen durch die Jury sowie mehrstufige Bearbeitungstiefen in der Vorprüfung wurden neben höheren Preisgeldern als wesentliche Faktoren hin zu einer besseren Wettbewerbskultur genannt – von der auch die Nachhaltigkeit profitiere.

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