Kanzlerin Merkel spricht auf der Hannover Messe das kritische Thema der Energieversorgung an. In Deutschland stehen einige Gas- und Kohlekraftwerke aufgrund sinkender Wirtschaftlichkeit und fehlender Investitionsanreize vor dem Aus. Bei der Bundesregierung stößt das auf wenig Mitleid.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ansprache zur Eröffnung der Hannover Messe. (Foto: Deutsche Messe)
Auf der Hannover Messe präsentierte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Stromlobbyverbandes BDEW, neue Entwicklungen bei Bauvorhaben von Kraftwerken. Die Strom-Konzerne sind aufgrund der Energiewende skeptischer bei Investitionen. Waren es vor einem Jahr noch 32 und 2013 sogar nur 22 Vorhaben, ist die Zahl mit momentan unsicheren 39 Projekten so hoch wie nie. "Die Investitionsanreize fehlen, auch wenn die Politik immer betont, dies ändern zu wollen", wird Müller in den Deutschen Mittelstandsnachrichten zitiert.

Der Bundesnetzagentur sollen rund 50 Anträge auf Stilllegung der Kraftwerke vorliegen. Grund für die Abschaltung sei die fehlende Wirtschaftlichkeit. Dies könne aber die Versorgungssicherheit zukünftig gefährden, vor allem wenn 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz gehe. Bei der Bundesregierung trifft die Energiewirtschaft für die Forderung nach Hilfe für die schwächenden Gas- und Kohlekraftwerke auf keine Gegenliebe. Die Versorger fordern, dass die Anlagen, die im Gegensatz zu Ökostromanlagen rund um die Uhr laufen können, zusätzlich in einem sogenannten Kapazitätsmarkt vergütet werden. Kritiker einer solchen Regelung weisen darauf hin, dass es derzeit Überkapazitäten bei den Kraftwerken gibt, die nicht künstlich am Leben gehalten werden sollten. Thesen von einer „Kraftwerkslücke” seien übertrieben.

Für die Versorger ist die Energiewende eine große Herausforderung. Durch den Ausbau des Ökostroms und des Überangebots an Kraftwerken sind die Preise auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. E.ON veröffentlichte einen Jahresbericht 2014 mit Rekordverlusten von gut drei Milliarden Euro. Auch RWE habe mit Milliardenschulden zu tun.

Bei der Hannover Messe schätze Bundeskanzlerin Angela Merkel die Lage als "Lernerfahrung" ein: „Wir sind im Augenblick in einer kritischen Phase, in der der Anteil der erneuerbaren Energien aus der Nische heraus zur Hauptsäule unserer Energieversorgung geworden ist. Die Folgen der Umstellung werden das Land noch viele Jahre beschäftigen.” Gleichzeitig spricht sie an, dass Deutschland eine Führungsrolle bei der Erzeugung erneuerbarer Energien einnehmen müsse. Es gäbe schon einige Länder, die Schritt für Schritt umsteigen und auch Deutschland müsse weiter ausbauen. Im Sommer wird in der großen Koalition über den Bau neuer Stromtrassen entschieden und der künftige Miss der Energieträger besprochen.

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