EU-Studie: Biokraftstoff schlecht für Klima
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Die EU-Kommission hat die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoff untersucht. Die Studie zeigt: Einige Biokraftstoffe sind schädlicher für das Klima als herkömmliches Erdöl.
Biodiesel aus den Ölpflanzen Palmöl, Jatropha und Soja schadet dem Klima mehr als fossile Treibstoffe. Diese Anklage, die bereits seit einigen Jahren besteht, haben nun Forscher durch Analysen von zwölf Betrieben in sechs Entwicklungsländern in Zahlen gefasst. In der EU-Studie werden erstmals auch die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoffen für deren Ökobilanz berücksichtigt.
Bei der Verbrennung setzt Biodiesel um 40 bis 75 Prozent weniger CO2 frei als klassischer Diesel. Eine Betrachtung des freikommenden Kohlenstoffs über den gesamten Lebenszyklus - also inklusive der Produktion der Pflanzen - verdirbt jedoch oft die Rechnung. In Indonesien etwa werden für Palmöl zunehmend Tiefmoorwälder abgeholzt und abgebrannt - bis 2020 laut Schätzungen in einer Fläche der Größe Westdeutschlands (2,5 Mio. Hektar). Tiefmoor speichert mehr Kohlenstoff als der Regenwald. Bei seiner Zerstörung kommen 200 bis 300 Tonnen CO2 pro Hektar frei, zusätzlich noch jährlich zehn Tonnen für die Trockenlegung und Zersetzung. Doch auch die Biodiesel-Pflanze Jatropha, die in Ghana, Sambia und Tansania untersucht wurde, schneidet vernichtend schlecht ab. Hier beträgt die CO2-Schuld je nach Anbaugebiet 100 bis 300 Jahre, zudem ist dieser Öllieferant ertragsärmer als die Ölpalme.
Die indirekten Folgen der Nutzung von Biokraftstoffen hatten zuletzt im Rahmen der Debatte über den E10-Kraftstoff eine Rolle gespielt. In den EU-Klimaschutzvorgaben ist dieser Effekt bisher nicht berücksichtigt. Es gibt nur die Vorgabe, dass ein Biokraftstoff über den gesamten Lebenszyklus - also von seinem Anbau bis zum Verbrauch - mindestens 35 Prozent weniger Kohlendioxid freisetzen muss als ein herkömmlicher Kraftstoff. Auch darf für die Produktion etwa kein Regenwald gerodet werden. Wenn Bauern jedoch anderswo Regenwald abholzen, weil auf ihrem ursprünglichen Ackerland Pflanzen für die Biokraftstoffe stehen, bleibt das unberücksichtigt.
Konsequenzen noch unklar
Welche Konsequenzen die EU-Kommission aus der Studie zieht, ist noch unklar. Sie hat zwar angekündigt, im Frühjahr konkrete Vorschläge dazu vorzulegen, wie die indirekten Folgen der Biokraftstoffproduktion künftig berücksichtigt werden sollen. Die beiden zuständigen Kommissare, Günther Oettinger und Connie Hedegaard, haben sich bisher aber nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können.
Originalstudien unter: www.ecologyandsociety.org
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