Strom aus der Wüste mit Verspätung
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Die Solarstrom-Initiative „Desertec“ ist ins Stocken geraten, bevor sie noch begonnen hat. Immerhin könnte nun ein kleines Referenz-Kraftwerk in Marokko gebaut werden.
Für die einen der energiepolitische Traum, für die anderen der elektrische Alptraum: „Desertec“ ist eine Industrie-Initiative, die mittels Solarkraftwerken in der Sahara Strom erzeugen und diesen dann zu einem nicht geringen Teil nach Europa bringen möchte.
Siemens, ABB, Munich RE und andere Konzerne wollten ursprünglich einen größeren Teil des Stroms in den Ländern vor Ort absetzen, doch dafür fehlt der Region vielfach das verfügbare Kapital. Aus der „Entwicklungszusammenarbeit“ ist längst ein großindustrielles Projekt geworden, das Energie über breite Stromautobahnen und mittels HGÜ-Stränge (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) von Afrika nach Europa führt.
Doch die „Arabellion“ durchkreuzte diesen Plan genauso wie die politisch schier unlösbar anmutende Aufgabe, bis zu 21 Kilometer breite Trassen von Spanien bis nach Hamburg zu schlagen.
Nun konnte wenigstens ein Standort für ein kleines 150 MW-Referenzkraftwerk in Marokko gefunden werden. 2015 könnte es soweit sein, dass Marokko – ein Land, das der Solartechnik sehr positiv gegenübersteht – über bestehende Kabel Strom nach Spanien liefert, wie der Vorstandsvorsitzende der Desertec-Initiative, Paul von Son, erklärt.
Im Endausbau soll das Kraftwerk 500 Megawatt haben und 1,9 Milliarden Euro kosten.
Der gesamte Investitionsrahmen für Desertec wird mit 400 Milliarden Euro abgesteckt – wieviel die EU davon übernehmen soll oder will, ist Gegenstand zahlreicher Verhandlungen.
Desertec-Website
Artikel über Desertec auf der Deutschen Welle
Foto: ABB



