KOMMENTAR, 28.9.2026 – Früher kam der Strom aus der Steckdose. In der Zukunft soll jeder und jede ein Energiemanager für die eigene Wohnung werden. Wer will das?

Alles ist steuerbar, keiner kennt sich aus. So empfinden das viele Bürger:innen – und wenden sich ab mit Grausen ... Foto: eb/Starmühler

Alles war so schön damals. Die Priester weihten in den 1960er-Jahren Stromleitungen und neue Staudämme ein, man erfreute sich des Fortschritts und Wohnzimmer wurden in warme Glühlampen-Helligkeit getaucht.

Heute geht es um Lumen und LEDs, um Speicherkapazitäten und Einspeisetarife, um Wirkungsgrade, Wärmepumpen und KI-Steuerungen. Die Hausfrauen können nicht mehr kochen, wüssten aber dafür mehr über die Kilowattstunden Bescheid, die die linke, hintere Herdplatte verbraucht, so sie denn die einmal einschalteten.

Männer, die früher im Baumarkt rote Ohren vor lauter Begeisterung für Kombizangen und Multi-Tools bekamen, erhitzen sich heute in Wortgefechten über Kennzahlen von Split-Klimageräten.

Im Standard-Forum (zum semi-erotischen Thema „Luftwärmepumpe: Wie erreicht ihr die höchste Effizienz beim Heizen?“) las ich kürzlich den Absatz;

„Effizienz? Die Wärmepumpe sollte richtig ausgelegt sein + ein wenig Reserve für ganz kalte Tage. Bei mir beträgt die Heizlast im Winter so um die 6 - 7kw (gemittelt, Warmwasser ist dabei). Bei - 5 Grad reichen ca.40 Grad im Vorlauf (hab Heizkörper), das Haus ist gedämmt, neue Fenster, außen Rollo Verbrauche ca 1200 Liter Öl+ 3m Holz (Helzkessel + Pufferspeicher), ohne Holz ca.1600 l Öl. Sind ca 16000 kWh Wärme im Jahr. Mit einer Wärmepumpe wären das ca. 1/3 bis 1/4, also um die 4 -5000 kWh Strom. Sollte machbar sein (+PV Unterstützung).“

Schön, dass sich die Menschen umfänglicher mit Energie, Umwelt und Stromverbrauch befassen.

ABER: Es ist zu viel. Wenn uns die Politik nicht langsam in Ruhe lässt mit komplizierten Energiegemeinschaften und dem indirekten Zwang zu komplexen Haus-Energie-Steuerungen, damit man halbwegs über die monatliche Energie-Rechnung kommt, kollabiert das System. Wir brauchen Vereinfachung. Seit 20 Jahren wird die viel zu detaillierte und komplizierte Stromrechnung kritisiert. Nix passiert. 

Stattdessen erfindet die Politik laufend neue, immer undurchschaubarere, immer unergiebigere Stromkosten-Senkungs-Tarife, Vormittags-Nachmittags-Ganztags-Preise mit Sommerzeitausgleich und EEG-Netzkostenrabatten... Wer durchschaut das alles? 

Kein Wunder, dass ehemalige Großpartein und früher gerngelesene Zeitungen und vielgesehene Programme langsam in der Versenkung verschwinden. Der Bürger, die Bürgerin ist überfordert und wendet sich anderen Partnern zu. Sie wünschen sich offenbar ein einfacheres, unterhaltsameres, unkomplizierteres Leben. 

(hst)