Kommentar von Ernst Stippl

KOMMENTAR – Unserer Bundesregierung ist wieder etwas eingefallen. Möglicherweise könnte man am Ergebnis noch feilen.

So geht es auch: Erst NACH dem Ausbau der PV auf allen möglichen Hallenflächen sollte der Staat das Füllhorn über die Industrie schütten ... Foto: ES

Damit die Industrieproduktion in Österreich wieder leistbar wird, sollen Industriebetriebe für die Hälfte ihres Stromverbrauchs nur 5 Cent pro Kilowattstunde bezahlen müssen. Finanziert werden soll dieser Rabat durch zusätzliche Abgaben der Energiewirtschaft bis zu einer Höhe von 250 Mio. € pro Jahr.

Das wurde so beschlossen um den Eindruck zu vermitteln, dass der Steuerzahler nicht belastet wird. Abgaben zu denen jemand vom Staat verpflichtet wird nennt man aber Steuergeld, und von dem hat der Staat bekanntlich nicht genug. Das heißt er könnte allein schon aus Budgetnot eine solche Abgabe einfordern, ohne sie zwingend für Strompreisnachlässe auszugeben

Die 5 Cent/ kWh entsprechen etwa den heutigen Produktionskosten von mittelgroßen Photovoltaik Anlagen.

Vorher PV-Module auf die Hallen geben

Warum also, fragt man sich, sind nicht schon längst viel mehr von den Industriehallen mit PV-Modulen am Dach belegt und and den Wänden verkleidet, wenn gerade die Industriebetriebe als Eigentümer dieser Hallen, so dringend billigen Strom brauchen?

Auch die großen Hallenfassaden eignen sich für Photovoltaik

Gerade auch die riesigen senkrechten Hallenflächen würden sich für die Solarstromnutzung in der kalten Jahreshälfte bestens eignen. Sie sind windfest und schneefrei. Es gibt dort einen meist leistungsstarken Stromanschluss, keine Bedenken bezüglich Ortsbild und Landschaftsschutz.

Industrie-Energie-Gemeinschaften bilden

Und wenn eine Firma soviel Sonnenstrom nicht brauchen kann, kann sie mit anderen Betrieben eine Energiegemeinschaft gründen. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür gibt es.

Unsere Regierung scheint sich dieses großen und naheliegenden Potentials zur Energieproduktion nicht bewusst zu sein, und hat daher auch unsere Industrie nicht daran erinnert.

Standortsicherung geht besser

Würde nicht eine 30 Jahre lang nutzbare Investition in PV-Technik und Lastmanagement einen Produktionsstandort nachhaltiger absichern als eine kurzzeitige Stromverbrauchsförderung von 2027 bis 2029?

Niedrigst hängende Früchte ZUERST verzehren!

Wie können die Damen und Herren, die das so angekündigt haben, gleichzeitig proklamieren, dass wir jemals eine Energiewende, bis wann auch immer hinkriegen werden, wenn sie nicht einmal die am niedrigsten hängenden Früchte am Weg dorthin vor ihren Augen sehen?

Das Ziel selbst, günstige Energie für die Industrie, ist jedenfalls fraglos zu unterstützen.

Jedoch möge man ein Prinzip anwenden, das vor langer Zeit im niederösterreichischen Sozialhilfegesetz sinen NIederschlag gefunden hat: Bevor Sozialhilfe gewährt wird hat der Hilfswerber seine eigenen Mittel zur Deckung seiner Bedürfnisse einzusetzen.

Ernst Stippl

Ernst Stippl

Ernst Stippl

Ernst Stippl ist Physiker – und Praktiker. Arbeitsschwerpunkte: Energietechnik, Gebäudephysik, Heizungs- und Haustechnik. Lebt in Wien und Heidenreichstein / NÖ.