Der Vorschlag der Energy Watch Group, dessen Präsident Hans-Josef Fell ist, zielt darauf ab, Bürokratie radikal abzubauen und Kosten zu senken. Das sind die fünf Kernpunkte (Anmerkung: Der Text ist als Interview mit Hans-Josef Fell zuerst im >> PV-Magazin erschienen):
Erstens, feste gesetzlich beschlossene Einspeisevergütungen statt Ausschreibungen: Die komplizierten staatlichen Ausschreibungen sollen abgeschafft und durch feste, garantierte Vergütungssätze ersetzt werden.
Zweitens, Netzanschlüsse maximal nutzen: Betreiber sollen das Recht bekommen, ihren Netzanschluss vollständig zu überbauen – also so viel Photovoltaik, Windkraft und Speicher zu installieren, wie der Netzanschluss mit der Obergrenze der Einspeiseleistung ermöglicht.
Drittens, günstiger Strom für Nachbarn: Wer im Umkreis von fünf Kilometern um eine Anlage wohnt, soll von halbierten Steuern und Netzentgelten profitieren.
Viertens, einfaches Energy Sharing: Gemeinsame Energienutzung im Quartier in einem Zwei-Kilometer-Radius soll von den meisten Abgaben befreit werden, wenn die Nutzer an der Anlage beteiligt sind.
Und fünftens, Erneuerung ohne Bürokratie: Das sogenannte Repowering von Wind und Solar soll genehmigungsfrei sein, solange die genutzte Fläche gleich
Bürokratieabbau besonders wichtig
Zentral ist, dass die 20-jährige feste Einspeisevergütung im EEG erhalten bleibt. Ohne diese langfristige Sicherheit werden angesichts hoher technologischer und regulatorischer Risiken nur noch wenige Investoren in die Stromerzeugung investieren, da sie nicht mehr so leicht von Banken finanziert werden können. Die verbleibenden Investoren würden deutlich höhere Renditen verlangen – mit der Folge von 50 bis 100 Prozent höheren Strompreisen.
Das würde den Ausbau der Erneuerbaren weitgehend stoppen, das Stromangebot verknappen und die Stromkosten massiv erhöhen. Ein Kernproblem ist die Einführung der Ausschreibungen. Seitdem ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland drastisch eingebrochen.
Recht auf Überbauung des Netzanschlusses
Im Energiewirtschaftsrecht müsste geregelt werden, dass jeder, der einen Netzanschluss für die Einspeisung von erneuerbaren Energien hat, eine Überbauung mit anderen erneuerbaren Energien oder Speichern erhalten muss. Also wer einen Windkrafteinspeisungspunkt bereits betreibt, sollte ein Recht haben, eine Photovoltaik-Anlage oder eine Biogasanlage anzuschließen, denn diese speisen prinzipiell nicht zu gleichen Zeiten wie die Windkraft ein und belasten so das Netz nicht zusätzlich an diesem Einspeisepunkt.
Regionalstromvorteil muss genutzt werden
Erzeuger großer Windkraft- und Photovoltaik-Parks können einen Regionaltarif anbieten. Damit der für die Anwohnenden besonders attraktiv wird, fordern wir einen Rabatt auf Netzentgelte, Steuern und Abgaben von 50 Prozent, wenn die Anlage im Fünf-Kilometer-Radius zur Nutzung liegt. Damit entstehen konkurrenzlos günstige Strompreise und das schafft Akzeptanz in der anwohnenden Bevölkerung und macht kaum Netzausbau notwendig. Es gibt dann keine Proteste oder Klagen mehr. Das ist viel wirksamer als die in manchen Bundesländern mit viel Bürokratie aufgebauten Beteiligungsverpflichtungen für Kommunen.
Austausch von Energie in Nachbarschaften
Kundenanlagen sind das Element des Energy Sharing. Der Austausch von Energie in Nachbarschaften oder ganzen Quartieren wird bisher behindert, weil jeder die Auflagen eines Energieversorgers einhalten musste. Das hat bisher Energy Sharing in Deutschland ausgehebelt, obwohl es nach EU-Recht verpflichtend ist. Hätten wir großflächiges Energy Sharing in Deutschland längst verwirklicht, dann wäre beispielsweise der jüngste Berliner Stromnetz Blackout viel glimpflicher abgelaufen, weil die Energiekunden eben nicht alle von einem Kraftwerk Lichterfelde und einem Kabel über den Teltowkanal abhängig gewesen wären.
Repowering stärken
Das Repowering muss von bestehenden Auflagen befreit werden. Wo schon ein Windpark steht, sind ja alle aufwändigen Genehmigungshürden schon einmal durchlaufen. An solchen Bestandsanlagen braucht es keinen neuen Genehmigungshürdenlauf mehr, der viele abschreckt und damit den Ausbau der erneuerbare Energien massiv einschränkt.
Dezentrale Versorgungsbereiche schaffen
Selbstversorgung und Energy Sharing für Überschussstrom von und zwischen Einzelhäusern, Mietshäusern, Gewerbe, Produktionsbetrieben sind die entscheidenden Lösungsstrategien. Die seit dem Dritten Reich aufgebaute zentrale Stromversorgungsstruktur muss endlich durch massenhafte Dezentralität abgelöst werden. Der große Fehler der letzten 20 Jahre war, die erneuerbaren Energien in dieses problematische zentrale Energiesystem mit all seinen Schwächen von Terroranschlägen, Cybersicherheit, Abhängigkeiten von russischem, arabischen oder US LNG einzwängen zu wollen, statt die Vorteile der Dezentralität voll zu nutzen.
Ein ausführliches Interview finden Sie im >> PV-Magazin
Website der >> Energy Watch Group


