Der aktuelle Winter 2025/26 zeigt uns deutlich die Grenzen der Sparbemühungen auf. Nach dem extrem milden Vorjahr sorgt die Rückkehr zu klirrenden Temperaturen im Dezember und Januar für eine spürbare Mehrbelastung.

Der Schnee fällt und die Preise steigen: 2025/26 wird ein teurer Heizwinter. Foto: H. Starmühler

Wer dachte, die Energiekrise sei vorbei, wird bei der nächsten Abrechnung eines Besseren belehrt – denn neben dem witterungsbedingten Mehrverbrauch schlagen vor allem gestiegene Netzentgelte und das Auslaufen von Rabatten ins Kontor.

Die Kostentreiber: Kälte trifft auf Gebührenerhöhung

Experten schätzen, dass der Energiebedarf allein durch den Temperatureffekt um etwa 11 bis 15 % über dem Niveau von 2024/25 liegt. Da die Gebäudehülle bei tieferen Außentemperaturen schneller auskühlt, müssen Heizsysteme deutlich mehr leisten, um das Komfortniveau im Inneren zu halten.

Kostenschätzung für das Winterhalbjahr (Okt. 2025 – März 2026)
Vergleich der voraussichtlichen Kosten im Vergleich zum Vorwinter

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Da kommt einiges auf uns zu, wenn diese vorsichtige, erste, Abschätzung stimmt. Quelle: eb

Die im Artikel genannten Prozentwerte für die Steigerung (ca. 15-20 % bei Gas) sind für Österreich und Deutschland gleichermaßen als Richtwert solide, da der Haupttreiber die Kombination aus Kälte + Netzgebühren ist.

In Österreich ist die Belastung durch die Netzentgelte bei Gas (laut E-Control) jedoch ein besonders prominentes politisches Thema in diesem Winter, während in Deutschland der Fokus stärker auf dem steigenden CO2-Preis im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) liegt.

Wiener*innen müssen mit größtem Kostenanstieg rechnen“

In einer Aussendung, Österreich betreffend, schreibt aktuell das Messtechnik-Unternehmen Techem:  „Im Bundesländervergleich werden für Wien (+13,4 Prozent), Niederösterreich (+13 Prozent) und Burgenland (+10,3 Prozent) die größten Kostenanstiege vorausgesagt. Mit moderaten Kostensteigerungen ist in der Steiermark (4,4 Prozent) und in Tirol (0,7 Prozent) zu rechnen, für Kärnten (-0,7 Prozent) wird sogar eine leichte Kostensenkung erwartet.“

Dazu einige Stimmen aus den vergangenen Tagen:

Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox:
„Der massive Anstieg der Netznutzungsentgelte zum Jahreswechsel 2026 trifft die Haushalte in diesem Winter hart. Zusammen mit den kälteren Temperaturen im Vergleich zum extrem milden Vorjahr führt dies dazu, dass die Entlastungen beim Einkaufspreis für Gas und Strom bei den Endkunden kaum ankommen. Wer in einem ungekündigten Grundversorgungstarif steckt, zahlt diesen Winter historisch hohe Aufschläge.“
Quelle: Energiemarkt-Analyse Verivox, Januar 2026

Matthias Hartmann, CEO von Techem:

„Die aktuelle Auswertung unserer digitalen Messgeräte zeigt, dass der witterungsbereinigte Energieverbrauch durch die Kälteperioden im Dezember und Januar deutlich über dem Zehnjahresschnitt liegt. Wir sehen in den Daten, dass die Einsparbemühungen der Haushalte zwar anhalten, aber gegen die physikalische Realität eines kalten Winters nur bedingt ankommen. Transparenz über den täglichen Verbrauch ist jetzt das wichtigste Werkzeug.“
Quelle: Techem Atlas Prognose, Fachinterview Januar 2026

Mag. Gabriele Zgubic, Leiterin Konsumentenschutz der Arbeiterkammer (AK Wien):

„Wir sehen bei den Beratungen, dass viele Haushalte die Nachzahlungen aus 2024/25 gerade erst verdaut haben und nun von den massiv gestiegenen Teilbeträgen für 2026 überrollt werden. Da die Fernwärmepreise in vielen Regionen trotz sinkender Rohstoffpreise hoch bleiben, fordern wir eine strengere Preisprüfung.“
Quelle: AK Wien, Presseaussendung „Heizkostenfalle 2026“, 15.01.2026

Energieträger im Detailcheck

1. Erdgas (+18–22 %): Hier ist der Effekt am stärksten. Laut E-Control steigen die Gasnetzentgelte österreichweit im Schnitt um 18,2 % (ca. 6 €/Monat für einen Durchschnittshaushalt). Gepaart mit ca. 10 % Mehrverbrauch durch die Kälte droht hier die größte Kostenfalle.

2. Strom / Wärmepumpe (+12–15 %): Wärmepumpen verlieren bei Frost an Effizienz (der Heizstab springt häufiger ein). Zwar sinken die Strompreise laut ÖSPI im Jahresvergleich leicht (-3,9 %), doch der Mehrverbrauch und regionale Netzgebührenerhöhungen zehren diesen Vorteil wieder auf.

3. Fernwärme (+5–15 %): Die Entwicklung ist regional extrem unterschiedlich. Während einige Anbieter Tarife stabil halten, haben Unternehmen wie die Wien Energie durch Rabattanpassungen Preiserhöhungen von effektiv bis zu 15 % angekündigt.

Informationen & Quellen
• E-Control Austria: Aktuelle Berichte zu Netzentgelten und Marktentwicklungen.
www.e-control.at
• Österreichische Energieagentur (AEA): Monatlicher Energiepreisindex (EPI).
www.energyagency.at
• Techem Atlas: Studien zum Verbrauchsverhalten in Mehrfamilienhäusern.
www.techem.com/at/studien
• Verivox Preisindex: Täglich aktualisierte Daten zur Preisentwicklung bei Strom und Gas.
www.verivox.de/verbraucherpreisindex

(hst/gemini)

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