Doch mit klimaerwärmungskorrigierten Normaußentemperatur können Heizungsanlagen passgenauer und kostengünstiger dimensioniert werden. Das haben Andreas van Egmond-Fröhlich, Verein Klimadörfl, und Ulrike Wernhart, Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich nun in einem IBO-Beitrag veröffentlicht. (7. Juli 2025).
Die Autor:innen schreiben: „Mehr als die Hälfte des österreichischen Endverbrauchs von Energie wird für die Erzeugung von Wärme eingesetzt, wobei 35 Prozent der Hauptwohnsitze direkt fossil mit Erdgas oder Erdöl beheizt werden (Statistik Austria 2023). Da der Ausbau von Biomasse begrenzt und deren Lieferung in Städten unpraktikabel ist, muss die Dekarbonisierung vor allem durch Wärmepumpen erfolgen. Damit das mit ausreichender Geschwindigkeit erfolgen kann, ist die Kosteneffizienz für Eigentümer und Fördergeber entscheidend.
Die Dimensionierung von Wärmepumpen und Umweltwärmequellen basiert auf der Heizlastberechnung und damit auf der Auslegungsaußentemperatur / Norm-Außentemperatur Tne. Die Tne ist nach ÖNORM EN 12831 (Österreichisches Normungsinstitut 2003) das tiefste Zweitagesmittel der Lufttemperatur eines Ortes, das zehnmal in 20 Jahren erreicht oder unterschritten wurde.
Norm folgt den Temperaturdaten
Diese Definition bedingt, dass sich die Normaußentemperatur stets aus historischen Temperaturdaten bildet. Dies war bei der Entstehung der Norm aufgrund langsam steigender Temperaturen kaum relevant. Frisch aktualisierte Normaußentemperaturen basieren im Mittel auf mehr als 10 Jahre (20 Jahre/2) alten lokalen Lufttemperaturmessungen.
Die letzte Publikation der Normaußentemperaturen erfolgte jedoch 2015 (OIB 2015), basierend auf Temperaturdaten aus dem Jahr 1981-2000 (Kraft 2020) also im Mittel 35 Jahre alten Daten in einer beschleunigt fortschreitenden Klimaerwärmung. Die damit viel zu niedrige Norm-Außentemperatur bedingt eine Überschätzung der Heizlast. Dies führt zur Überdimensionierung der Heizungsanlagen, wenn trotz der weit verbreiteten Kenntnis dieser Tatsache der Normvorschrift gefolgt wird, um sich rechtlich abzusichern.
Bis zu 21 % Mehrkosten durch Überdimensionierung
Vergleichsstudien (Fröch 2024, Grim-Schlink 2021) zeigen, dass diese Überdimensionierung bis zu 21 % mehr Kosten verursachen kann. Zum Teil ist diese Differenz durch die Vernachlässigung von internen und solaren Wärmegewinnen erklärbar. Hauptsächlich aber ist der Unterschied bedingt durch die Verwendung aktueller lokaler Klimadaten statt veralteter Normaußentemperaturen für die Simulation.
Luftwasserwärmepumpen sind oft bivalent (Stromheizstab) und für einen Bivalenzpunkt ausgelegt, der aktuell zumeist noch an oder knapp über der klimaerwärmungskorrigierten Normaußentemperatur liegt. Zudem entfällt bei Luftwasserwärmepumpen eine Erschließung von separaten Umweltwärmequellen. Bei monovalenter Nutzung von Erdwärme oder Grundwasser als Wärmequelle für Wärmepumpen ist die starre Normberechnung hingegen mit einer Überdimensionierung und höheren Investitions-, Betriebs- und Folgekosten sowie weiteren Nachteilen (vgl. Grim-Schlink 2021) verbunden:
Überhöhte Investitionskosten (Wärmepumpen, ggf. Umweltwärmequellen, Wärmeverteilung, Wärmeabgabe)
Der Betrieb modulierbarer Wärmepumpen mit deutlich unter der Hälfte der Maximalleistung senkt den COP und erhöht die Stromkosten (Marsik 2023)
- Häufigere Ein- und Ausschaltzyklen auch von modulierenden Wärmepumpen bei unnötig hoher Minimalleistung bewirken höhere Wartungs- und Instandsetzungskosten, verkürzen die Lebensdauer und erfordern eine verfrühte Ersatzinvestition
- Erhöhter Materialverbrauch und graue Energie
- Unnötige Ablehnung von Sanierungsmaßnahmen wegen Unwirtschaftlichkeit oder aus Platzmangel
- Verschwendung der Arbeitszeit von Fachkräften und Bohrgeräten
- Verschwendung von Fördergeldern von Bund und Land in der Budgetkrise
Es wird folglich ein neues normiertes Verfahren zur Berechnung Normaußentemperatur benötigt, das sich an die Klimaverhältnisse bei Betriebsbeginn anpasst.
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