Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Öffentliche Elektro-Ladestellen sind ein geheimnisvoller Ort. Man weiß nicht, wie teuer die Kilowattstunde ist und wieviel man geladen hat. Ein Unding.
E-MobilistInnen tappen beim Laden im Dunkeln: kein Display zeigt die geladenen Kilowattstunden an.
Die immer größer werdende Fangemeinde der Elektromobilität fordert hiermit Klarheit ein. Wir wollen an den öffentlichen Ladesäulen nicht mehr länger für dumm verkauft werden. Heute ist es nämlich (noch) so: Die Radfahrerin, der E-Scooter-Driver, die E-Car-Besitzer steuern die Ladesäulen von Smatrics, Tanke & Co an, verbinden ihr Fahrzeug mit der Stromquelle und wissen: NICHTS.

Zeit statt Kilowattstunde
Keine Tariftafel – in jedem Beisl Pflicht, an jeder Tankstelle von weitem sichtbar – sagt ihnen, wieviel die Kilowattstunde kostet. In unserer neuen Zeit ist die Kilowattstunde die gleiche Währung wie für die Altmodischen der Liter. Doch während bei den Luftverschmutzern überall der Literpreis für Benzin oder Diesel ersichtlich ist, tappen die Elektriker im Dunkeln.
Die Ladesäulen-Betreiber rechnen nämlich vorzugsweise nach Zeit ab. Das wär so, wie wenn Sie an der Tankstelle die Minuten zahlen, die sie dort stehen, ohne zu wissen, wieviel Liter nun eigentlich in den Tank gekommen sind. Denn Display gibt es auf den E-Ladesäulen auch keines – jedenfalls keines, das Ihnen sagt, wieviele – erraten! – Kilowattstunden verabreicht wurden.
Wir wollen vergleichen und beim günstigsten Anbieter tanken.
22 kW sind nicht gleich 22 kW
Man muss dazu wissen, dass bei einer z. B. 22-kW-Ladestation nicht immer 22 kW an Leistung gezogen werden können. Das liegt an den Ladesäulen selbst, weil sie vielleicht defekt sind oder weil schon drei andere Fahrzeuge versorgt werden müssen und daher die Ladeleistung abnimmt. Oder es liegt am Ladeverlauf selbst: Über den gesamten Verlauf des Volladens einer Batterie bestimmen die eingebauten Laderegler, wieviel sie dem Akku zumuten. Das kann deutlich differieren, je nachdem, ob der Akku ganz leer, halbvoll oder schon fast ganz voll ist.

Ladezeit und Parkzeit
Also ist die einzige sinnvolle Größe die Kilowattstunde. Unser Leser Hans Schranz hat kürzlich gefordert, dass auch eine SMS oder dergleichen an den Benutzer gesendet werden kann, wenn das Fahrzeug vollgeladen ist. Dann könnte ja, vielleicht nach einer kleinen Wartezeit, auch eine zusätzliche Stehzeit verrechnet werden. Schließlich versperrt der Parker dann anderen die noch raren E-Ladeplätze. Gute Idee!

Jedenfalls, liebe Ladesäulen-Betreiber, Sie sehen, dass hier Änderungsbedarf angezeigt ist. Die Zeit der Bauernfängerei ist vorbei – jetzt wollen wir vergleichen und beim günstigsten Anbieter tanken. Oder beim nächstliegenden, jeder wie er mag.
Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.