Viel Fein-Staub wirbelte ein Bericht des ARD-Magazins plusminus auf. Die Pelletsbranche ist empört.

Professor Lucht widerspricht dem „Märchen von der Klimaneutralität“ der Holzverbrennung. Screen: ARD plusminus

Die Verbrennung von Pellets heizt den Klimawandel an. Das ist der Tenor des Beitrags vom 25.8.2022 im Programm der ARD. Konkret nannte Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimaforschung folgende Relationen: Grob gesagt und je nach technischer Ausstattung könne man es abschätzen, „dass die Verbrennung von Holz eineinhalb Mal soviel CO2 produziert wie Kohle, doppelt so viel CO2 wie Öl und drei Mal so viel CO2 wie Gas“.

Denn es wachse in Jahrzehnten, was innerhalb von Minuten verbrannt würde. Das „Märchen von der Klimaneutralität“ der Holzpellets sei leicht zu widerlegen.

„Raubbau am deutschen Wald“

Der Buchautor und Förster Peter Wohlleben argumentierte in dem Beitrag, dass mittlerweile Raubbau am deutschen Wald geschähe, Deutschland liege um ein Vierfaches höher was den Einschlag betrifft als der Weltstandard und doppelt so hoch wie das übrige Europa. 

Im Magazin wurde berichtet, dass die Europäische Union dieses Jahr bereits eine gewisse Abkehr von der bisherigen positiven Linie vollzogen habe – Holzverbrennung wird nicht mehr unter die „erneuerbaren Energieträger“ eingestuft.

Weder vom deutschen Umweltministerium (Robert Habeck) noch vom deutschen Pellets-Verband war für die Magazin-Reporter eine Stellungnahme zu bekommen.

Hier ist eine: der Verband der Deutschen Säge- und Holzwirtschafts-Verband schreibt in einer „Stellungnahme zur Sendung „Plusminus“ vom 25.08.2022“: 

„Kein Greenwashing!“

„Angesichts der aktuellen Entwicklungen auf dem Energiemarkt stellt der Beitrag die Nachhaltigkeit der Strom- und Wärmeerzeugung aus Holzpellets in Frage und entwirft das Bild einer umwelt- und klimaschädlichen Holzindustrie, welche die Verbraucherinnen und Verbraucher durch Greenwashing zu täuschen versucht.

Als Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) widersprechen wir dieser Darstellung vehement und kritisieren die tendenziöse, einseitige und lückenhafte Berichterstattung. Die Sendung erfüllt nicht den Anspruch objektiver Darstellungen und sachlicher Argumentation, vielmehr provoziert sie durch fehlende Kontextualisierung und negative Bildsprache falsche Schlussfolgerungen.

Dabei lassen sich viele der im Bericht aufgestellten Thesen widerlegen oder durch eine differenzierte Behandlung als bloßes Meinungsbild relativieren.
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Die Aussage, in Deutschland werde in großem Umfang Holz für energetische Zwecke eingeschlagen, Waldflächen radikal abgeerntet und leergeräumt, steht der Realität entgegen: Die Wälder in Deutschland werden nachhaltig bewirtschaftet. Ausgehend von dem Grundsatz, nicht mehr Holz zu entnehmen als nachwächst, ist aus einer über 300-jährigen Tradition die heute weltweit vorbildliche Forstwirtschaft in Deutschland entstanden, deren Niederschlag sich nicht nur im Bundeswaldgesetz, sondern auch in den Waldgesetzen der Länder wiederfindet.
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Bilder von Kalamitätsflächen als das Ergebnis exzessiver Energieholznutzung darzustellen, verkehrt die Wirklichkeit und verkennt die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder: Seit dem Jahr 2018 sind die Wälder in Deutschland von den starken Auswirkungen klimatischer Veränderungen betroffen. Die sich wiederholenden Hitzesommer haben für eine außergewöhnliche Dürre gesorgt, die den gesamten Wald in seiner Vitalität beeinträchtigt und anfällig für Schadinsekten macht. In der Folge wurden große Waldflächen geschädigt oder sind abgestorben; so auch bei Montabaur.
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Im Gesamteinschlag ist seit 2018 eine deutliche Zunahme aufgrund der Schadereignisse zu verzeichnen.
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Die Behauptung, die steigende Nachfrage nach Holzpellets habe direkte Auswirkungen auf die Holznutzung im Wald, lässt die Produktionsbedingungen in Deutschland außer Acht: Pellets werden in Deutschland zu etwa 90 Prozent aus Rest- und Abfallstoffen der Säge- und Holzindustrie hergestellt. Das übrige Zehntel wird auf Basis von nicht sägefähigem Waldholz erzeugt, welches als Teil des Einschlags von Holz für die Säge- und Holzindustrie oder bei notwendigen forstlichen Maßnahmen, wie der Verkehrssicherung anfällt.

Damit sind Holzpellets aus Deutschland ein Nebenprodukt der nachhaltigen Holz- und Forstwirtschaft und ergänzen die stoffliche Nutzung um eine energetische Verwertung, die dabei hilft, Kohle, Öl und Gas in Haushalten und Industrie zu ersetzen.
Die Annahme, dass für die energetische Nutzung nicht ausreichend Biomasse-Potenziale zur Verfügung stünden, widerspricht dabei den aktuellen Prognosen: Der Klimawandel, der Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern wie auch die anhaltende Produktion von langlebigen Holzprodukten in Deutschland werden in den kommenden Jahrzehnten mit großer Sicherheit für ein zusätzliches Biomassepotential aus dem Forst und der Säge- und Holzindustrie sorgen.

Die Infragestellung der CO2-Neutralität der Verbrennung von Holzpellets und die Gleichsetzung mit der Verbrennung fossiler Energieträger ignoriert die Kohlenstoffkreisläufe im Wald insgesamt: Während ein einzelner Baum viele Jahre zum Wachsen benötigt, wird in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald zu jederzeit bilanziell mindestens genauso viel Kohlenstoff gebunden, wie ihm entnommen wird. Denn entscheidend für die

Klimabilanz ist nicht der einzelne entnommene und wieder nachwachsende Baum, sondern vielmehr, wie viel CO2 insgesamt aus der Atmosphäre entnommen und im gleichen Zeitraum wieder freigesetzt wird. Statt des einzelnen Baumes, muss vielmehr der Wald und damit der gesamte Kohlenstoffkreislauf nachhaltig bewirtschafteter Wälder berücksichtigt werden. Die Verbrennung von Holzpellets ist Bestandteil dieses Kreislaufs, in dem Wärme und Strom nicht nur klimaneutral bereitgestellt werden, sondern gleichzeitig die zusätzlichen Emissionen aus dem vor Millionen von Jahren gebundenen Kohlenstoff der fossilen Ressourcen vermieden werden. Dabei sind es insbesondere moderne Pelletöfen, die eine effiziente Verbrennung ermöglichen und die Feinstaubemissionen geringhalten.

Ein Verweis auf die Anteile energetischer Nutzung am Holzverbrauch in Deutschland bedarf der Differenzierung: 2020 wurden in Deutschland etwa 60 Mio. m3 Holz energetisch verwendet. Das entspricht etwa 50 Prozent des gesamten Holzaufkommens im selben Jahr. Unter Beachtung der Rohstoffströme trägt das geerntete Waldholz nur einen Teil zum gesamten Aufkommen bei.

Die mehrfache Verwendung der Holzrohstoffe erhöht die zur Verfügung stehende Menge, so dass sich etwa drei Viertel des für die Erzeugung von Wärme und Strom verwendeten Holzes aus anderen Sortimenten zusammensetzt: Ein Viertel entfällt auf Altholz, ein weiteres auf Sägenebenprodukte und ein letztes auf andere Holzrohstoffe wie Landschaftspflegematerial, Rinde etc.. Dabei wird die gesamte Holzenergienutzung in Deutschland derzeit zu 98,3 Prozent durch inländisches Aufkommen gedeckt.

Link zum ARD-Magazin-Beitrag.
Hier geht es zur Stellungnahme des DeSH.

(hst)