Interessenskonflikt - 09.05.2011
Statistik ist eine komplizierte Wissenschaft. Zeitgleich haben zwei Marktforschungsinstitute die österreichische Fertighaus-Industrie analysiert - und kommen zu absolut gegensätzlichen Ergebnissen.

Insgesamt werden 28 fiktive Gebäudekonzepte entwickelt (vier Bautypen mal sieben Baustoffkombinationen)

Großer Aufschwung oder verschärfte Krise? Das Fertighaus spaltet nicht nur die Geschmäcker, sondern offensichtlich auch die Analysten in zwei Lager. Das Marktforschungsinstitut Kreutzer Fischer & Partner urteilte vergangene Woche: "Fertighaus-Industrie produziert am Markt vorbei". Laut Erhebungen sei 2010 die Nachfrage das zweite Jahr in Folge substanziell gesunken -um fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 3.780 Häuser. Der Marktanteil von Fertighäusern sei um fast zwei Prozentpunkte auf 24,3 Prozent gesunken. Die Erklärung: "Offensichtlich leidet die Branche nach wie vor unter einem Vertrauensverlust als Folge sich häufender Unternehmenspleiten in den letzten Jahren (Hansa-Haus, Kampa, Romberger)."
Das Institut "Interconnection Consulting" ist hier komplett anderer Meinung: "Der Anteil der Fertigteilhäuser hat im Jahr 2010 schon 31 Prozent erreicht, Tendenz steigend. Als Gründe des Erfolges nennt man schnelle Bauzeit und hohe Energieeffizienz. Laut Studie wurden im Vorjahr 84 Prozent der Fertighäuser in Niedrig- und Niedrigstenergie-, vier Prozent in Passivhausstandard errichtet.

Astrid Murhammer vom Österreichischen Fertighausverband zu energie-bau.at: "Uns sind die Unterschiede bekannt. Im Gegensatz zu "Interconnection Consulting" hat "Kreutzer Fischer & Partner" nicht mit uns zusammengearbeitet. Da die Marktforschungsinstitute auf unsere Mitgliederdaten zur Hochrechnung angewiesen sind, weiß ich nicht, wie Kreutzer Fischer auf dieses Ergebnis kommen. Am kommenden Mittwoch werden wir uns zu einem Gespräch treffen."

Angesichts der markanten Unterschiede der zeitgleichen Studien stellt sich erneut die Frage nach der Glaubwürdigkeit von "unabhängigen" Marktforschungsinstituten. Während die Studie von "Interconnection Consulting" auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Fertighausverband schließen lässt, wird bei "Kreutzer Fischer & Partner" die Individualität und Preis-Leistung vom Massivbau (insbesondere von Ziegeln) und dem handwerklichen Holzbau betont. Erfahrungsgemäß dürfte die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen: laut aktuellen Informationen dürften Kreutzer Fischer & Partner ausschließlich Einfamilienhäuser bewertet haben, während Interconnection Consulting den Wohnbau allgemein untersucht hat. Trotzdem bleiben noch offene Fragen über die konkrete Berechnung - energie-bau hält Sie auf dem Laufenden ... 
David Scheurich

Foto: oefv/Hartlhaus


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