Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

KOMMENTAR: Anhand der Stahlbranche kann man sehen, wie ungezügelter weltweiter Warenaustausch das Klima bedroht. Nur klimaschützend erzeugte Produkte sollten zollfrei eingeführt werden können.

Rauchende Schlote, Umweltverschmutzung und Stahlproduktion: Die Transformation zur Umweltverträglichkeit kostet Geld – und soll nicht durch billige Importe untergraben werden. Foto: pixabay

Die Globalisierung der Wirtschaft hat vielen Menschen auf diesem Globus einen Zuwachs an Wohlstand gebracht. Und dabei eine Menge Probleme nach sich gezogen. Es waren wohl zwei Dinge, die einen ungeheuren ökonomischen Schub bewirken konnten: Die Erfindnung des standardisierten Containers und die Datenleitung.

 

Immer riesigere Frachtschiffe mit tausenden Conainern an Bord bringen uns Kiwis aus Australien, Bananen aus Equador und Knoblauch aus China. Und Sojafutter, Autokarosserien, Schuhe, Corona-Masken, Marmorplatten, Medikamente, Fahrräder. Und natürlich werden weltwit immer größere in Megamengen an Erdöl, Zement, Pellets, Konstoffgranulat über Tankschiffe, Pipelines und Frachtkähne geliefert.

Und auch Stahl.
Anhand dieses fast archaischen Produktes der Neuzeit, das so essentiell für die Automobilindustrie ist, lässt sich sehen, wie schwer eine Kursänderung zu mehr Klimaverträglichkeit ist.

Stahl wird für Werkzeuge, Schienen, Motoren, Bauwerke und eben auch Automobil-Gehäuse und vieles mehr genutzt. Und Stahl lässt sich nur mittels Zugabe von sehr großen Energiemengen herstellen. Und weil diese Energie weltweit und auch in Europa vorzugsweise aus Kohle und Erdöl gewonnen wird, steht die Branche unter Druck. Die Stahlkocher in Deutschland sind für ein Drittel der gesamten Treibhausgas-Emisssionen der deutschen Industrie verantwortlich.

Was tun?
In Deutschland hat Wirtschaftsminister Altmeier gerade ein Neun-Milliarden-Wasserstoff-Forschungspaket verkündet. Die Stahlbranche soll mittels H2 versorgt werden, „grünem Wasserstoff“, der nur mittels Strom aus Erneuerbnaren Energien wie Sonne, Wind und Wasser, erzeugt wird. Ähnliches schwebt ja auch der östereichischen Bundesregierung vor.

Lassen wir hier einmal beiseite, dass die Ausbaupläne der Windkraft, der Photovoltaik und der Wasserkraft in beiden Ländern nicht im Entferntesten mit den gebrauchten Mengen übereinstimmen. Man erkennte hier sehr schnell den hohhen Blabla-Anteil am Redefluss der Damen und Herren in den Regierungskabinetten.

Nein, sehen wir uns nur die Situation der Stahlindustrie an, die derzeit schon wegen der coronakrisenbedingten Flaute im europäischen Autohandel in Schwierigkeiten ist.

Um den Umstieg ins Wasserstoffzeitalter zu schaffen, benötigt angeblich allein die deutsche Stahlindustrie 30 Milliarden Euro, ein Dittel davon schon bis 2030, um die CO2-Emissionen gemäß der EU-Vorgabe um 40 % zu senken. Den Rest verbraucht sie dann bis 2050, wenn die Stahlindustrie  „klimaneutral“ produzieren muss.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung rechnete kürzlich vor, dass für eine weitgehend klimaneutrale Stahl-Produktion in Deutschland 58.000 Megawatt benötigt würden, eine Leistung von rund 12.000 modernen Windrädern am Lande. Das will die Politik nicht gerade forcieren, wie man seit Jahren beobachten kann. Fazit: Es wird dann wohl Wasserstoff importiert werden müssen, der aus Marokko oder anderen „wasserstoffexportierenden“ Ländern kommen soll (Lobbies sind schon an der Arbeit).

Und die europäische Stahlindustrie selbst sieht sich einem wachsenden Importdurch gegenüber: Während unsere Stahlkocher auf Sparflamme bullern, arbeiten chinesische Stahlhütten, für die deutlich moderatere Umweltauflagen gelten, auf Hochtouren. Sie können es billiger.

Europa wird daher um Klimazölle nicht herumkommen: Nur ein klimaverträglich produzierter Stahl soll gering oder gar nicht besteuert werden. Wer in Zukunft Stahl mit Koks und Kohle produzieren will, muss höhere Klimazölle entrichten, will er sie in die EU verfrachten.

Das Prinzip wenden wir dann am besten auf alle Wirtschaftsbereiche an. Somit kann regionale Produktion mit fairen Chancen wieder gedeihen. Ob dabei nun Schuhe, T-Shirts oder Fleischlaibchen produziert werden. Oder eben Stahl.

Herbert Starmühler
herbert@starmuehler.at

 

 

 

 

 

 

 

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#1 Alpi Eder 2020-06-26 11:33
Steuern auf nicht-CO2-minim ierte Güter sind ein MUSS (damit wir als hoffentlich bald Engagierte nicht die Blöden sind)!

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