Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

KOMMENTAR: Nie war die Zeit so passend für eine grundlegende Reform der europäischen Umweltsteuern. Die Verteuerung von Reisen und Transporten sollte ein zentraler Angelpunkt werden.

Traktor
Es ist schon wieder viel zu trocken – von Jahr zu Jahr steigen die Gefahren. Foto: Starmühler_autark.cc

Die Erwärmung der Erdoberfläche infolge des Treibhauseffektes ist jetzt schon furchtbar und wird in Zukunft noch viel verheerender – hier sind sich so ziemlich alle Prognosen einig. Die Corona-Krise mit den derzeit abzusehenden Auswirkungen ist degegen nur eine milde Influenza. Es wird viele, viele Tote geben, Kriege um Wasser und Nahrung und Völker auf der Flucht vor dem Hungertod.

Lässt sich alles nachlesen und kann leicht nachvollzogen werden.

Vernünftig sind daher die nunmehr erschallenden Rufe landauf, landab, man möge doch bitte die Politiken nunmehr ganz klar in Richtung Klimaschonung ausrichten. Doch es ist viel leichter, dies nebolös im TV zu fordern als in konkrete Gesetze zu gießen (die zum Beispiel dem einen oder anderen Industrieverteter nicht schmecken).

Daher hier ein Versuch, ein Vorschlag:
Zu den größten CO2-Verursachern und somit zu den Beiträgen des katastrophalen Treibhauseffektes gehört das Reisen. Wir reisen einfach zu viel und wir essen zu viele Speisen, die zu viel gereist sind und wir kaufen zu viele Waren, die von zu weit her gekarrt werden. Wir sitzen zu oft in Flugzeugen, starten zu oft unsere SUVs und kaufen zu viele Waren aus fernen Ländern.

Völlig außer acht können wir in dieser Betrachtung zuerst einmal lassen, was diese globalisierte Produktionskette in den jeweiligen Ursprungsländern für soziale und ökonomische Verwerfungen mit sich bringt. Im Guten wie im Bösen.

Konzentrieren wir uns also auf die Entfernungs-Problematik, die eine sehr einfache Regel braucht:
Je weiter ein Produkt, ein Mensch oder auch gegebenenfalls eine Dienstleistung reist – umso höher fällt die Besteuerung aus. Ähnlich wie die Mehrwertsteuer auf praktisch alle Umsätze eingehoben wird, so sollte auch die Kilometer-Steuer auf alle Waren aufgeschlagen werden.

Diese Kilometersteuer sollte, analog den unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen, gestaffelt werden. Auf einer 10-teiligen Skala hätte zum Beispiel der Fußgänger den Wert 0, er /sie würde überhaupt nicht besteuert. Auch der Fahrradbote hätte vielleicht den Wert 0 verdient. Auto, Bus, Zug und Flugzeug fallen in jeweils andere Steuerklassen. Die „10“ würde wohl dem Flugverkehr zufallen – Fliegen hinterlässt bei weitem den größten CO2-Fußabdruck.

Wäre das ungerecht?
Sicher – irgendwo lauern immer Ungerechtigkeiten. Doch angesichts der Maßnahmen, die man nun in Coronazeiten ergriffen hat, kann abgeschätzt werden, dass man a) mit Ungerechtigkeiten eine Zeit lang leben kann und b) diese laufend auch wieder gemildert oder vermieden werden können.

Schadet die Kilometersteuer der Wirtschaft?
Ja, aber es würde in einer Übergangszeit nur die besonders problematischen Branchen treffen: Flüge um 19,90 Euro müssen der Vergangenheit angehören. Daher wird auch die von manchen als Menschrecht bezeichnete Fernreise viel weniger häufig stattfinden müssen.

Schadet das dem Tourismus?
Ja, und das soll es auch. Wer den Overtourismus beklagt, egal ob in Salzburg, Barcelona, Dubrovnik oder Hallstatt, wird erhört werden müssen. Der Tourismus ist zur Plage geworden, und zwar nicht nur der ökologisch besonders brisante Kreuzfahrttourismus. Wir brauchen ihn. Aber nicht in seinen monströsen Auswüchsen.

Nützt es der regionalen Wirtschaft?
Ja, und das ist das Ziel praktisch aller derzeit öffentlich hörbaren Nach-Corona-Überlegungen, die von Politikern, Wissenschaft und Wirtschaft angestellt werden. Wir müssen in Europa unsere Abhängigkeit von internationalen Beschaffungsketten und Just-in-time-Logistiken lösen oder wenigstens abbauen. Und wieder viel mehr in Österreich, Deutschland, Italien, in Europa produzieren. Und forschen und entwickeln, um das Know How nicht gänzlich zu verlieren, sondern neu aufzubauen.

Wir haben einfach den bequemeren Weg gewählt, wir sind in Europa ziemlich träge geworden. Es war einfacher, sich zurückzulehnen, ein Airbnb-Zimmer zu vermieten, als das nächste Silikon Valley aufzubauen. Tourismus ist schön, aber bitte alles in Maßen. Und die globalisierte Wirtschaft ist faszinierend – aber hat auch viele Nachteile. Die Coronakrise zeigt, wie sehr anders man auch leben kann. Die regionale Landwirtschaft kann wieder aufleben, die Industrie verlagert wieder nach Europa zurück – und kann hier besondere Schwerpunkte finden. Es war doch einigermaßen frustrierend zu beobachten, dass wir auf diesem alten Kontinent nicht mal läppische Schutzmasken herstellen können.

Schnell wird es nicht gehen, aber es sollte gelingen.

Ihr

Herbert Starmühler

Herausgeber

 

 

 

 

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#2 Energieberater 2020-05-05 12:22
Gute Zusammenfassung im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft. Wir werden uns etwas anderes auf Dauer nicht leisten können.
#1 Dieter Graf 2020-05-02 07:59
Sehr guter Vorschlag. Darüber hinaus sollte die Einfuhr von Waren aus China - dem Verusracher von Covid - verboten werden. Dabei handelt es sich meist um minderwertige, mit Schadstoffen belastete Produkte. Lebensmittel voller Pestizide und anderer Gifte.

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