Gerade rechtzeitig zur Tomaten-Bewässerung wurde in Burkina Faso eine Pumpenanlage fertiggestellt, die auf Sonnenstrom statt Diesel zurückgreift. Eine österreichische Investorengruppe hat sie vorfinanziert. Video.

Faso
Geschafft: Ein Mitglied der Kooperative staunt über die neue Wasserleitung. Foto: Solafor

Es hat etwas Mystisches: Morgens, wenn die Sonne recht unvermittelt über der Gemeinde Dî im Nordwesten von Burkina Faso aufgeht, springen die Pumpen an – und das so dringend benötigte Wasser fließt zu den Tomatenfeldern der Bauernkooperative. Die Sonne geht auf, das Wasser kommt.

23 Investor*innen
Möglich wird das durch die Installation einer Photovoltaikanlage, eines Bassins mit zwei Tauchpumpen und einer fast 600 Meter langen Wasser-Leitung. Die Finanzierung des ganzen Projektes haben 23 Investor*innen aus Wien, Niederösterreich und Burgenland möglich gemacht. 74.000 Euro wurden eingezahlt, um die Materialien kaufen und die Installation durchführen zu können. Organisator ist das Unternehmen autark.cc in Wien/Kleinengersdorf, das durch Herbert Starmühler vertreten ist (der auch Herausgeber dieses digitalen Fachmagazins www.energie-bau.at ist).

6% Rendite pro Jahr
In den kommenden neun Jahren bekommen die Investor*innen ihr Geld zurück – plus eine jährliche Verzinsung von 6 % nach dem festgelegten Tilgungsplan. Möglich wird dies, weil sich die Bäuer*innen die Bezahlung von Diesel, Schmieröl und Instandhaltung ersparen – und durch die kräftigeren Pumpen gleichzeitig mehr Felder bewässern können. Es ist dies also keine Spendenprojekt, sondern eine Investition auf Augenhöhe. Die Kooperative setzt auf erneuerbare Energien und bezahlt dafür. Sie hätte aber weder das nötige Know-How noch Geldmittel dafür gehabt.

Tomatren, Zwiebel und einige weitere Gemüsesorten werden von der Kooperative angebaut.

Bisher waren ausschließlich derartige Dieselpumpen in Verwendung: Laut, dreckig, teuer.

Letzte Montagen zur Verlegung des Druckrohres.

Das Druckrohr und im Hintergrund das „Comptoir“: die PV-Anlage, unter der man eine schattige Verkaufsfläche erhält.

An Arbeitskräften mangelt es nicht, obwohl die Sicherheitslage auch in diesem Gebiet nicht ganz unkritisch ist.

Die Wasserzähler ermöglichen Kontrollen und Verrechnungen auf der Basis des tatsächlichen Verbrauchs.

Für die Bauern wird sich einiges ändern: Sie bekommen mehr Wasser um weniger Geld und können nun größere Felder kultivieren.

PV-Anlage auch als Verkaufs-Stand nutzbar
Die  25 kWp – Photovoltaik-Anlage wurde bereits im vergangenen Sommer fertiggestellt. Die Module und die Wechselrichter waren aus Europa gekommen, die Stahlkonstruktion wurde von afrikanischen Betrieben unter der Anleitung von Salia Konaté, dem technischen Experten und Partner, vor Ort gefertigt. Konaté ist Burkinabé, lebt aber mit seiner Familie in Mödling bei Wien. Er erklärt: „Die PV-Installation dient auch als sogenanntes Comptoir, also als Verkaufsbereich. So kann die Anlage doppelt genutzt werden. Oben erzeugt die Sonne die kostenlose Energie, darunter können Bäuerinnen und Bauern der Kooperative in einem schattigen Comptoir ihre Waren anbieten und lokal verkaufen.“

Mehrfache Verzögerungen
Liefer- und Zollschwierigkeiten verzögerten das Projekt, dann machte ungewöhnlich lange Regenzeit und dem damit verbundenen Hochwasser die Arbeiten unmöglich. Schließlich verzögerte noch die Corona-Krise die Inbetriebnahme um weitere Wochen. Am 1. Mai 2020 wurde jedoch das Projekt übergeben, der Wasserzähler abgelesen und der Normalbetrieb eingeläutet.


Die Pumpen sind betriebsbereit – hier sehen wir einen Probebetrieb. Video: Solafor

Das Bassin
Auch das Wasserbassin, in dem die maßgefertigen Grundfos-Pumpen hängen, ist fertiggestellt. Die Pumpen und die massiven Rohrteile waren aus Deutschland importiert worden, die Stahlbehälter wurden in Afrika gefertigt. Es muss sich in den kommenden Monaten noch zeigen, ob die Konstruktion langfristig auch der „Inspektion“ seitens der eigentlichen Hausherren genügt – der Nilpferde. Möglich, dass die Tiere die Stahlwände eindrücken, dann muss mit einem Betonring die Anlage verstärkt werden.

Basisdaten des Pilotprojet zur Solarbewässerung in Dî / Sourou / Burkina Faso

Name der Kooperative: SOGECAM = Société Générale de Cultures Agricoles et Maraichaires.
Es ist eine Coopérative (gleiche Struktur wie ein Verein), hat daher keinen Geschäftführer, sondern einen Vorstand und einen Vorstandsitzer (Präsident). Sein Name ist Boukary ZOUGOURY.

Ortschaft : Dorf : Goran / Dî, Provinz SOUROU
Beschreibung: Die Kooperative ist in Untergruppen geteilt, den sogenannten „Groupements“. Es gibt insgesamt 15 Groupements. Die Mitglieder werden „Producteurs“ bzw. „Productrices“ genannt. Die Anzahl der „Producteurs“ liegt zwischen 800 und 1000 (je nach Jahr). Jeder Producteur bewirtschaftet eine Fläche von 800 m2 und 1 Hektar (10.000 m2). Dabei werden (je nach Jahreszeit) Tomaten, Mais, Zwiebel, etc. angebaut. Die Kooperative bewirtschaftet derzeit insgesamt ca. 158 Hektar verteilt auf 10 Standorte.

Bisher werden ausschließlich Dieselpumpen zur Bewässerung verwendet.
Die Pilot-PV-Bewässerungsanlage ist am Standort „Di Gmdi“ nun fertiggestellt worden. An diesem Standort werden derzeit 28 ha mittel 2 Dieselpumpen versorgt. Davon sollen ca. 14 ha über die PV-Solaranlage versorgt werden. Das Wasser dafür wird vom Nationalfluss „Le Mouhoun“ genommen.

Kontakt Technik:
Dipl.-Ing.FH Salia KONATE, MSc
Technical Consultant for Clean Energy Concepts.
Lecturer for Renewable Energy Systems at
University of Applied Sciences FH-Technikum Vienna / AUSTRIA.
Email: s.konate@gmx.net
Tel. (Austria): +43 676 969 05 56
Tel. (Burkina Faso): +226 55 05 64 84 or +226 71 98 30 95.
Vienna / AUSTRIA

Weitere Infos:
Beschreibung des Investitions-Projektes.

Interesse an ev. weiteren Solar-Projekten in Burkina Faso?
Einfach eine Nachricht an herbert@starmuehler.at schreiben!

(hst)

 

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