Was unterscheidet ein aktives von einem passiven Haus? Und ist ein energieautarkes Haus nicht auch energieneutral? Im zweiten Teil dieser Serie geht es um Gebäudekonzepte von A bis E.

Serie: Das ABC der energieeffizienten Gebäudekonzepte

Welche energieeffizienten Gebäudekonzepte kennen Sie eigentlich? Was ist beispielsweise der Unterschied zwischen einem Passivhaus, einem klimaaktiv-Haus und einem 3-Liter-Haus? Und welche Konzepte werden sich in den nächsten Jahren durchsetzen? Diese Serie gibt Aufschluss.


Eines der Active Houses in Österreich: Das Haus am Sulzberg im Bregenzerwald, geplant von Architekt Juri Troy in Kooperation mit Velux, vereint Wohnhaus und drei Ferienwohnungen. Foto: Jörg Seiler

Es gibt mehr energieeffiziente Gebäudekonzepte als Buchstaben im Alphabet. Das ist hinsichtlich der Nachhaltigkeit natürlich erfreulich, allerdings kann man dabei schon mal den Überblick verlieren. Bei den einzelnen Konzepten geht es um energetische Verbesserungen bei Verbrauch und/oder Erzeugung, teilweise auch um Wohnkomfort, Licht- und Luftqualität und weitere Aspekte. Zentrales Anliegen ist die energetische Qualität des Bauwerks (Bauphysik) zwecks Verbrauchsreduktion, mehr oder weniger ergänzt durch die lokale Produktion von Energie für den Eigenverbrauch. Manche Namen sagen deutlich, dass es um die Bilanz von Erzeugung und Verbrauch geht.energie:bau stellt mit Auszügen aus dem Glossar zur Expertenbefragung „Zukunft Bauen“ von Unternehmensberater Siegfried Wirth in dieser Serie gängige Konzepte vor.

A wie ... Active House

Active House ist kein reines Energiekonzept, es berücksichtigt zusätzlich zur Energieeffizienz weitere wesentliche Parameter wie Luftqualität, Tageslicht-Performance, Ökologie, oder Ressourcenverbrauch bei der Herstellung. Dieses Gebäude-Konzept soll gemeinsame Aktivitäten wie die Zusammenarbeit bei Projekten, Produktentwicklungen oder Forschungs-Initiativen erleichtern. Zudem bieten die Active House-Prinzipien Rahmenbedingungen, wie man Gebäude so gestaltet oder renoviert, dass diese einen positiven Beitrag zum Innenraumklima, der Umwelt und zur Gesundheit der Benützer_innen beitragen.

A wie ... Aktivhaus® oder aktivhaus

Aktivhaus ist kein definierter Baustandard und wird in unterschiedlicher Bedeutung verwendet. Soweit ein Gebäudekonzept gemeint ist, versteht es sich namentlich als Antithese zum Passivhaus, inhaltlich als ein Haus mit Energiegewinnung (durch Photovoltaik) und aktiver Steuerung, also im Wesentlichen ein Plusenergiehaus

Seit 2017 wird der Begriff neu genutzt: Das vom Stuttgarter Architekten und Bauingenieur Werner Sobek initiierte „aktivhaus“ in Modulbauweise steht für Nachhaltigkeit, Mängelfreiheit, Wirtschaftlichkeit, Vielseitigkeit und Schnelligkeit und folgt der sogenannten Vision Triple Zero®:

  • Zero Energy Building: Das Gebäude benötigt in der Jahresbilanz nicht mehr Energie, als es selbst aus nachhaltigen Quellen erzeugt.
  • Zero Emission Building: Das Gebäude produziert keine CO2- oder andere für den Menschen schädlichen Emissionen.
  • Zero Waste Building: Alle Bauteile können am Ende des Lebenszyklus vollständig in biologische oder technische Kreisläufe überführt werden.

 

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Das aktivhaus ist das Konzept eines seriellen Modulbaus ohne CO2-Emissionen und ohne Altlasten. Grafik: AH Aktiv-Haus GmbH

A wie ... Aktiv-Solar-Haus / Solar-Aktiv-Haus

Beide Begriffe bezeichnen Gebäudekonzepte mit solartechnischen Anlagen. Das Solar-Aktiv-Haus, das 2008 vom Wiener Architekt Georg Reinberg mit AEE INTEC im Auftrag von Sonnenkraft Österreich entwickelt wurde, verfügt über aktive Solarheizung und gesteuerte Fensterlüftung. Realisiert wurde es 2009 in Kraig in Kärnten.

Das Aktiv-Solarhaus wurde 2010 vom Seminaranbieter OTTI propagiert, u.a. in Symposien an der Donau-Universität in Krems, bei denen auch Architekt Georg Reinberg Referent war. Es geht dabei „um hoch energieeffiziente Gebäude … (mit) aktiver Nutzung der Sonnenergie zur Heizung, Kühlung und Trinkwassererwärmung, … um einen jährlichen Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasser und Technikstrom von max. 50 kWh/m2 zu erreichen“.

C wie ... CO2-neutrales Haus

Das CO2-neutrale Haus ist kein definierter Baustandard, sondern ein Bilanzmodell und entspricht etwa dem Begriff „energieneutral“ (siehe auch Nullenergiehaus). Der Begriff „CO2-neutral“ wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet: Der Freiburger Architekt Rolf Disch nennt ihn als ein Kriterium für sein Plusenergiehaus®. VELUX macht damit Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt „Model Home 2020“ (siehe Active House). Auch Anbieter_innen für private Bauherr_innen in Deutschland nutzen ihn im Marketing, ebenso die dena Deutsche Energieagentur.

D wie ... Drei-Liter-Haus®

Das Drei-Liter-Haus von Eckart Drössler ist eine geschützte Marke, die inhaltlich dem Niedrigenergiehaus entspricht. Der Name ist an das Drei-Liter-Auto angelehnt und will sagen, dass so ein Haus nur noch drei statt bisher zehn Liter Heizöl pro m2 und Jahr braucht. Es ist also durch den Heizwärmebedarf definiert, hat eine thermische Solaranlage mit Pufferspeicher und eine automatische Komfortlüftung. Das Konzept hat heute aber keine praktische Bedeutung mehr.

E wie ... energieautarkes Haus

Energieautarkes Haus ist kein definierter Baustandard, sondern ein Bilanzmodell. Ein autarkes Haus müsste sich selbst ganzjährig mit Energie versorgen, es wäre demnach ein netzunabhängiges Null- bzw. Plusenergiehaus. Für die Realisierung ist die Frage des zeitlichen Unterschieds zwischen Produktion und Verbrauch – also der Speicherung – umfassend zu lösen.

E wie ... energieneutrales Haus

Ein energieneutrales Haus ist ebenfalls ein Bilanzmodell (siehe CO2-neutrales Haus und Nullenergiehaus). Es produziert genau so viel Energie wie es verbraucht.

E wie ... Energiesparhaus

Der Begriff meint allgemein Gebäude, die weniger Energie verbrauchen (als früher üblich) und versteht darunter Niedrigenergiehaus, Drei-Liter-Haus und Passivhaus.

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