Roger HackstockDie Energiewende tritt seit geraumer Zeit auf der Stelle. Es ist Zeit, dass die kommende neue Regierung den Themen Energie, Klima und Erneuerbare oberste Priorität einräumt, um Österreich wieder auf den Klimapfad zu bringen und tausende Arbeitsplätze durch Klimaschutz zu schaffen.

Wenn man sich die Umfragen ansieht, stehen über 90 Prozent der Bevölkerung hinter der Energiewende und wünschen sich, dass mehr in klimafreundliche, heimische Energiequellen investiert wird. Was fehlt, ist der Anlass zum Handeln, da Öl und Gas schon längere Zeit stabil billig sind und die Politik keine Signale setzt, um Bürger und Betriebe zum Umstieg auf erneuerbare Energie zu animieren. Wie das Umweltbundesamt aufzeigt, ist Österreich mittlerweile am Weg zum internationalen Schlusslicht beim Klimaschutz, die Treibhausgasemissionen steigen, statt zu sinken. Wir sind dabei, unsere Vorreiterrolle bei erneuerbarer Energie zu verspielen, was sehr gefährlich ist, da unsere Firmen rund 80 Prozent der Produktion ins Ausland liefern, weil Österreich den Ruf des Umweltmusterlandes hat.
Das wichtigste ist daher, dass die neue Regierung verbindliche Ziele beschließt, die allen eine klare Richtschnur geben, wie der Ausbau in den nächsten Jahrzehnten erfolgen soll. Im Wärmebereich sollte das Ziel sein, den Anteil erneuerbarer Energie bei Raumwärme bis 2030 auf über 70 Prozent zu steigern bis 2050 auf über 90 Prozent. Derzeit stehen wir bei rund 45 Prozent, wir haben also noch viel Luft nach oben. Der größte Hebel wäre die Einführung einer aufkommensneutralen CO2-Steuer, wie sie bereits Frankreich, Großbritannien, Schweiz und viele andere Länder haben. Dafür ist es nach über 20 Jahren Diskussion höchste Zeit, um den Umbau des Energiesystems auf marktwirtschaftliche Weise zu beschleunigen. Es ist heute so, dass viele Unternehmen Investitionen in Effizienzmaßnahmen und erneuerbare Energie zurückhalten, weil sie auf ein klares energiepolitisches Signal aus der Politik warten, ob eine CO2-Steuer oder ähnliches kommt. Die nächste Regierung hat daher die Chance, die Schleusen zu öffnen und Mega-Investitionen auszulösen, die dieser Entscheidung auf dem Fuß folgen werden.
 

Zur Person:
Roger Hackstock beschäftigt sich seit fast drei Jahrzehnten mit der Energiewende. Als langjähriger Geschäftsführer von Austria Solar sorgte er im Jahr 2012 mit einem solaren Jahresbericht für Aufsehen, dessen Inhalt nur bei Sonnenlicht sichtbar war. Er ist Mitglied der Energy Academy und Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Wien. Im Jahr 2014 erschien sein Buch Energiewende – Die Revolution hat schon begonnen bei Kremayr & Scheriau.

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